
6. März 2026 23:01Gerhard Mellert
Andacht 07.03.2026
Wir wohnen seit vierzig Jahren in Mainz. Ich kenne mich gut aus und könnte Stadtführungen machen. Doch eines Tages bin ich in der Stadtmitte und möchte mir bei Nordsee ein Fischbrötchen kaufen. Plötzlich irre ich umher und finde das Lokal nicht mehr. Noch mehrmals passiert es, dass ich Orientierungsschwierigkeiten habe. So bitte ich einen Neurologen um einen Termin. Drei Monate Wartezeit. Ich benötige ein CT. Das Ergebnis: schrumpfendes Gehirn und fortschreitende Demenz. Nun, ich habe zehn Jahre in der Demenzbetreuung gearbeitet, ich weiß, was das bedeutet. Da fiel mir der obige Text in der Lutherversion ein: „Bestelle dein Haus, denn du wirst sterben.“
Viele Ärzte meinen, dem Kranken bezüglich seiner (Über-)Lebenschancen etwas vorzumachen, und die Angehörigen unterstützen sie meist darin. Man will doch dem Kranken nicht wehtun und ihm nicht die letzte Hoffnung rauben, an die er sich klammert. Und doch erweist man ihm damit einen schlechten Dienst. Die Wahrheit ist immer wichtig und richtig, auch wenn sie sehr wehtut. Die Liebe wirft sie ja nicht schroff hin, sondern bringt sie vorsichtig und freundlich nahe. Ist es nicht ein Elend, wenn der Kranke die Zeit, die er noch zu leben hat, in nichtigen Hoffnungsgedanken hinbringt, anstatt sie zur Vorbereitung auf den großen Schritt in die Ewigkeit zu nutzen?
Hiskia war nicht bereit. Er weint bitterlich. Jesaja lässt ihm von Gott sagen: „Bestelle dein Haus!“ Es ist gut, auch die äußeren Angelegenheiten beizeiten zu ordnen und über sein Hab und Gut testamentarisch zu verfügen. Man stirbt nicht schneller, nur weil man den Gedanken an den Tod ins Auge fasst.
Neben den materiellen Dingen ist es aber noch viel wichtiger, den Haushalt des Herzens zu ordnen. Bringe dein Verhältnis zu Gott und auch mit den Menschen in Ordnung. Biete alles auf, sodass du dein Haupt ruhig hinlegen kannst, wenn es so weit ist! Vielleicht legt dir Gott noch eine Frist zu, wie einst bei Hiskia. Doch in jedem Falle möchte ich mich früh genug mit dem Thema beschäftigen, denn noch lebe ich. Gott weiß, wie lange. Ich vertraue seinem Wirken und weiß, er meint es gut mit mir.
© Advent-Verlag Lüneburg mit freundlicher Genehmigung (der Link ist: http://www.advent-verlag.de)
Wir wohnen seit vierzig Jahren in Mainz. Ich kenne mich gut aus und könnte Stadtführungen machen. Doch eines Tages bin ich in der Stadtmitte und möchte mir bei Nordsee ein Fischbrötchen kaufen. Plötzlich irre ich umher und finde das Lokal nicht mehr. Noch mehrmals passiert es, dass ich Orientierungsschwierigkeiten habe. So bitte ich einen Neurologen um einen Termin. Drei Monate Wartezeit. Ich benötige ein CT. Das Ergebnis: schrumpfendes Gehirn und fortschreitende Demenz. Nun, ich habe zehn Jahre in der Demenzbetreuung gearbeitet, ich weiß, was das bedeutet. Da fiel mir der obige Text in der Lutherversion ein: „Bestelle dein Haus, denn du wirst sterben.“
Viele Ärzte meinen, dem Kranken bezüglich seiner (Über-)Lebenschancen etwas vorzumachen, und die Angehörigen unterstützen sie meist darin. Man will doch dem Kranken nicht wehtun und ihm nicht die letzte Hoffnung rauben, an die er sich klammert. Und doch erweist man ihm damit einen schlechten Dienst. Die Wahrheit ist immer wichtig und richtig, auch wenn sie sehr wehtut. Die Liebe wirft sie ja nicht schroff hin, sondern bringt sie vorsichtig und freundlich nahe. Ist es nicht ein Elend, wenn der Kranke die Zeit, die er noch zu leben hat, in nichtigen Hoffnungsgedanken hinbringt, anstatt sie zur Vorbereitung auf den großen Schritt in die Ewigkeit zu nutzen?
Hiskia war nicht bereit. Er weint bitterlich. Jesaja lässt ihm von Gott sagen: „Bestelle dein Haus!“ Es ist gut, auch die äußeren Angelegenheiten beizeiten zu ordnen und über sein Hab und Gut testamentarisch zu verfügen. Man stirbt nicht schneller, nur weil man den Gedanken an den Tod ins Auge fasst.
Neben den materiellen Dingen ist es aber noch viel wichtiger, den Haushalt des Herzens zu ordnen. Bringe dein Verhältnis zu Gott und auch mit den Menschen in Ordnung. Biete alles auf, sodass du dein Haupt ruhig hinlegen kannst, wenn es so weit ist! Vielleicht legt dir Gott noch eine Frist zu, wie einst bei Hiskia. Doch in jedem Falle möchte ich mich früh genug mit dem Thema beschäftigen, denn noch lebe ich. Gott weiß, wie lange. Ich vertraue seinem Wirken und weiß, er meint es gut mit mir.
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