
16. Sep. 2026 08:33Berlin, Germany
Revidierte Charta Oecumenica unterzeichnet
Im Rahmen eines ökumenischen Gottesdienstes unterzeichneten 18 kirchenleitende Vertreterinnen und Vertreter der Mitgliedskirchen der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK) am 15. September die revidierte Charta Oecumenica.
Der ökumenische Gottesdienst fand in der Französischen Friedrichstadtkirche am Gendarmenmarkt in Berlin statt. Ursprünglich sollte er in der Berliner Sankt Hedwigs-Kathedrale abgehalten werden, diese stand aber wegen eines „technischen Defekts“ kurzfristig nicht zur Verfügung, wie die Pressestelle der ACK mitteilte.
Die Unterzeichnung knüpft an eine mehr als zwanzigjährige Geschichte an: Bereits 2003 hatten 16 Mitgliedskirchen der ACK die Charta Oecumenica beim Ersten Ökumenischen Kirchentag in Berlin unterzeichnet. Die nun revidierte Fassung wurde auf der europäischen Ebene im vergangenen November in Rom unterzeichnet. Sie nimmt neue Herausforderungen in Europa in den Blick und setzt zusätzliche Schwerpunkte unter anderem bei Frieden, Migration, neuen Technologien und der Rolle junger Menschen. Im Zentrum stünden weiterhin die Selbstverpflichtungen der Kirchen, so die ACK in einer Pressemitteilung.
Fahrplan für gemeinsames Handeln
Für Reverend Christopher Easthill, Vorsitzender der ACK in Deutschland, ist die heutige Unterzeichnung deshalb ein neuer Anfang. „Wir schauen inzwischen auf beinahe ein Jahr intensiver Erfahrung und Arbeit mit der revidierten Charta Oecumenica zurück. Dabei hat sich für mich bestätigt, dass die Charta Vision und Handlungsempfehlung zugleich ist. Ihre Selbstverpflichtungen geben uns eine wichtige Orientierung für unser gemeinsames Zeugnis und Handeln“, sagt Easthill. „Die neue Charta Oecumenica ist kein abstraktes Dokument, sondern ein ganz konkreter Fahrplan für gemeinsames Handeln und Zeugnis und ein Versprechen für unsere Zukunft“
„Mit der heutigen Unterzeichnung beginnt nun die nächste entscheidende Phase: die breite Rezeption in Deutschland“, so Easthill weiter. „Jetzt geht es darum, die Selbstverpflichtungen in unseren Kirchen, Gemeinden und ökumenischen Arbeitsgemeinschaften auf allen Ebenen mit Leben zu füllen. Nehmen Sie diesen Text in die Hand, lesen Sie darin wie in einer Landkarte der Hoffnung und – vor allem – kommen Sie darüber ins Gespräch. Denn Ökumene beginnt bei jeder und jedem von uns.“
Bedford-Strohm: Trennung der Kirchen darf nicht „Normalfall“ sein
Der ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Landesbischof i.R. Prof. Dr. Heinrich Bedford-Strohm, Moderator des Zentralausschusses des Ökumenischen Rates der Kirchen in Genf, richtete in seiner Predigt einen eindringlichen Appell an die Kirchen. Die „noch immer existierende Trennung der Kirchen“ dürfe nicht als Normalfall angesehen werden, sondern sei „ein Scheitern an dem Auftrag Jesu“. Bedford-Strohm stellte zugleich die Frage: „Sind unsere konfessionellen Traditionen [...] selbst zur Hauptsache geworden?“
Mit Blick auf die gesellschaftliche Verantwortung der Kirchen hob Bedford-Strohm zudem die klare Haltung der revidierten Charta Oecumenica gegen eine politische Instrumentalisierung des Christentums hervor: „Es ist ein starkes Zeichen, wenn die Kirchen Europas in großer Einmütigkeit den Missbrauch des Christentums für Zwecke, die ihm zutiefst entgegenstehen, verurteilen. Die Charta verpflichtet die Kirchen dazu, ‚allen Versuchen zu widerstehen, Religion und Kirche für ethnische, nationalistische, politische oder populistische Zwecke zu missbrauchen.‘“ In diesem Sinne sei es sehr passend, dass die Unterzeichnung der revidierten Charta Oecumenica am Internationalen Tag der Demokratie begangen wird, heißt es in der Pressemitteilung.
Den Text der revidierten Fassung der Charta Oecumenica gibt es unter www.oekumene-ack.de/themen-materialien/charta-oecumenica/ Dort sind auch weitere Materialien dazu und ein Vergleich der ursprüngliches Fassung von 2003 und der revidierten Fassung zu finden.
Haltung der Adventisten zur Charta Oecumenica
Alle damaligen ACK-Gastmitglieder haben 2003 die Charta Oecumenica aus unterschiedlichen Gründen nicht unterzeichnet. Dazu gehörte die Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Deutschland. Auch die revidierte Fassung hat die Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten nicht unterzeichnet. In Stellungnahme der Leitung der Freikirche in Deutschland, die in Kürze veröffentlicht wird, heißt es dazu: „Vielen Aussagen der Charta Oecumenica ist von Seiten der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten vorbehaltlos zuzustimmen … Darüber hinaus gibt es in diesem Dokument auch Aussagen und Selbstverpflichtungen, deren Charakter von uns als problematisch eingestuft wird. … Das klare Eintreten der Charta für Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit ist uns besonders wichtig (III.10.). Dass Zeugnis für den Glauben niemals durch moralischen Druck oder materielle Anreize erzwungen werden darf, sondern aus freier Entscheidung erwachsen muss, ist eine Überzeugung, die für uns als Freikirche seit unseren Anfängen grundlegend ist. Ebenso unterstützen wir den Einsatz für die Rechte religiöser Minderheiten und den erklärten Willen, Vorurteile zwischen Mehrheits- und Minderheitskirchen abzubauen - ein Anliegen, das uns als kleinere Kirche in vielen europäischen Ländern unmittelbar betrifft (II.5.). Gleiches gilt für den Widerstand gegen jede Vereinnahmung von Religion für nationalistische, politische oder populistische Zwecke (III.7.).
Die Aussagen der Charta zum christlichen Zeugnis und zum Bibelstudium berühren uns sehr … Auch was die Charta zu Frieden und Versöhnung sagt (IV.11.), deckt sich mit unserer Überzeugung … Besonders nahe an unseren Überzeugungen stehen auch die Aussagen zur Bewahrung der Schöpfung (IV.12.). Die Einsicht, dass die ökologische Krise auch Ausdruck eines geistlichen und moralischen Versagens ist, und die Aufforderung zu Genügsamkeit, zu Zurückhaltung im Umgang mit natürlichen Ressourcen und zu einem nachhaltigeren Lebensstil entsprechen unserem biblisch begründeten Verständnis vom Menschen als Verwalter der Schöpfung Gottes … Der Aufruf zu einem vorrangigen Einsatz für die Armen, zum Schutz von Migranten sowie die klare Verurteilung von Menschenhandel und moderner Sklaverei als Verbrechen gegen die Menschlichkeit entsprechen unserem diakonischen Auftrag (IV.13.). Ebenso befürworten wir die Verpflichtung, missbräuchliches Verhalten aufzudecken, Betroffenen zuzuhören und ihre Würde wiederherzustellen (II.4.), sowie den Einsatz für die Sicherheit und Partizipation von Frauen und Kindern (III.7.). … Vorbehaltlos schließen wir uns der Ablehnung jeder Form von Antisemitismus an und würdigen die Bereitschaft, um Vergebung für christlichen Antijudaismus zu bitten und die jüdische Präsenz und das jüdische Erbe in Europa in Erinnerung zu halten (III.8.). In gleicher Weise unterstützen wir den fairen und respektvollen Umgang mit Muslimen sowie mit Vertretern anderer Religionen und Weltanschauungen … Schließlich begrüßen wir auch die besonnene Auseinandersetzung mit neuen Technologien, die vor deren Missbrauch warnt, ohne den technischen Fortschritt grundsätzlich zu verurteilen (IV.14.), sowie die Ernsthaftigkeit, mit der die Anliegen und die Beteiligung junger Menschen in Kirche und Ökumene aufgegriffen werden (II.6.).“
Punkte, bei denen Adventisten Anfragen hätten
Gleichzeitig gebe es aber auch Formulierungen, die keine Zustimmung der Freikirche fänden. Dazu gehört die Taufe. Siebenten-Tags-Adventisten können die Taufe einer anderen Kirche dann anerkennen, wenn sie an gläubigen Menschen durch Untertauchen vollzogen wurde. Dagegen sehen sie die Taufe von Unmündigen nicht als Taufe im Sinne des Neuen Testaments an. Auch bei der Abendmahlsgemeinschaft (Eucharistie) weisen sie auf unterschiedliche Verständnisse innerhalb der Konfessionen hin, praktizieren aber selbst ein Abendmahl, an dem Christen aller Bekenntnisse zur Teilnahme eingeladen sind. Bezüglich des gemeinsamen Zeugnisses mit anderen Kirchen formuliert die adventistische Stellungnahme: „Adventisten haben großes Interesse daran, mit anderen Kirchen über Initiativen zur Evangelisierung zu sprechen. Als problematisch betrachten sie jedoch Erwartungen, sich selbst zu verpflichten, mit anderen Kirchen Vereinbarungen über die Evangelisation zu treffen, ohne zu wissen, um welche Art von Vereinbarungen es geht.“ Im Hinblick auf ein gemeinsames Europa heißt es in der adventistischen Stellungnahme: „Allerdings streben Adventisten weder nach einem irdischen Reich noch nach einem politisch und christlich-religiös geeinten Europa. Dennoch sehen auch wir uns in der Pflicht, christliche Werte in den gesellschaftlichen Diskurs einzubringen. Dies geschieht z.B. durch Stellungnahmen oder Gespräche mit Vertretern des gesellschaftlichen und kirchlichen Lebens. Unser Eintreten für eine klare Trennung von Kirche und Staat zählt ebenfalls darunter. Adventisten werden jedoch immer betonen, dass unsere Hoffnung auf das ewige Reich Gottes gerichtet ist, das am Tag der Parusie [Wiederkunft] Christi in seiner Fülle anbrechen wird.“
Diese Anfragen schmälern nicht die grundsätzliche Wertschätzung, mit der sich Adventisten in das Miteinander der christlichen Kirchen einbringen. Die Selbstverpflichtungen der Charta hätten keinen dogmatischen oder kirchenrechtlichen Charakter; somit liegt es an den Kirchen, welche die Charta unterzeichnet haben, zu entscheiden, wie sie die Selbstverpflichtungen konkret umsetzen wollen. „Für uns als Siebenten-Tags-Adventisten erwächst daraus der Anspruch, nur Verpflichtungen zu unterschreiben, hinter denen wir theologisch und praktisch voll und ganz stehen können. Dies verstehen wir als Ausdruck gegenseitiger Redlichkeit.“
Gleichzeitig erkennt die Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in der Charta Oecumenica auch einige Lernimpulse für sich selbst. Diese betreffen vor allem die gelebte geistliche Einheit und den Dialog mit anderen Christen und die gegenseitige Gastfreundschaft.
ACK in Deutschland
Die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK) wurde am 10. März 1948 gegründet. Derzeit gehören ihr 21 Kirchen unterschiedlicher Traditionen an, weitere vier Kirchen sind Gastmitglieder, darunter die Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten, und fünf ökumenische Organisationen haben Beobachterstatus. Seit März 2025 ist der anglikanische Priester aus Wiesbaden, Reverend Christopher Easthill, Vorsitzender der ACK. Die Geschäftsstelle der ACK in Deutschland, die „Ökumenische Centrale“, hat ihren Sitz in Frankfurt am Main: www.oekumene-ack.de.
Der ökumenische Gottesdienst fand in der Französischen Friedrichstadtkirche am Gendarmenmarkt in Berlin statt. Ursprünglich sollte er in der Berliner Sankt Hedwigs-Kathedrale abgehalten werden, diese stand aber wegen eines „technischen Defekts“ kurzfristig nicht zur Verfügung, wie die Pressestelle der ACK mitteilte.
Die Unterzeichnung knüpft an eine mehr als zwanzigjährige Geschichte an: Bereits 2003 hatten 16 Mitgliedskirchen der ACK die Charta Oecumenica beim Ersten Ökumenischen Kirchentag in Berlin unterzeichnet. Die nun revidierte Fassung wurde auf der europäischen Ebene im vergangenen November in Rom unterzeichnet. Sie nimmt neue Herausforderungen in Europa in den Blick und setzt zusätzliche Schwerpunkte unter anderem bei Frieden, Migration, neuen Technologien und der Rolle junger Menschen. Im Zentrum stünden weiterhin die Selbstverpflichtungen der Kirchen, so die ACK in einer Pressemitteilung.
Fahrplan für gemeinsames Handeln
Für Reverend Christopher Easthill, Vorsitzender der ACK in Deutschland, ist die heutige Unterzeichnung deshalb ein neuer Anfang. „Wir schauen inzwischen auf beinahe ein Jahr intensiver Erfahrung und Arbeit mit der revidierten Charta Oecumenica zurück. Dabei hat sich für mich bestätigt, dass die Charta Vision und Handlungsempfehlung zugleich ist. Ihre Selbstverpflichtungen geben uns eine wichtige Orientierung für unser gemeinsames Zeugnis und Handeln“, sagt Easthill. „Die neue Charta Oecumenica ist kein abstraktes Dokument, sondern ein ganz konkreter Fahrplan für gemeinsames Handeln und Zeugnis und ein Versprechen für unsere Zukunft“
„Mit der heutigen Unterzeichnung beginnt nun die nächste entscheidende Phase: die breite Rezeption in Deutschland“, so Easthill weiter. „Jetzt geht es darum, die Selbstverpflichtungen in unseren Kirchen, Gemeinden und ökumenischen Arbeitsgemeinschaften auf allen Ebenen mit Leben zu füllen. Nehmen Sie diesen Text in die Hand, lesen Sie darin wie in einer Landkarte der Hoffnung und – vor allem – kommen Sie darüber ins Gespräch. Denn Ökumene beginnt bei jeder und jedem von uns.“
Bedford-Strohm: Trennung der Kirchen darf nicht „Normalfall“ sein
Der ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Landesbischof i.R. Prof. Dr. Heinrich Bedford-Strohm, Moderator des Zentralausschusses des Ökumenischen Rates der Kirchen in Genf, richtete in seiner Predigt einen eindringlichen Appell an die Kirchen. Die „noch immer existierende Trennung der Kirchen“ dürfe nicht als Normalfall angesehen werden, sondern sei „ein Scheitern an dem Auftrag Jesu“. Bedford-Strohm stellte zugleich die Frage: „Sind unsere konfessionellen Traditionen [...] selbst zur Hauptsache geworden?“
Mit Blick auf die gesellschaftliche Verantwortung der Kirchen hob Bedford-Strohm zudem die klare Haltung der revidierten Charta Oecumenica gegen eine politische Instrumentalisierung des Christentums hervor: „Es ist ein starkes Zeichen, wenn die Kirchen Europas in großer Einmütigkeit den Missbrauch des Christentums für Zwecke, die ihm zutiefst entgegenstehen, verurteilen. Die Charta verpflichtet die Kirchen dazu, ‚allen Versuchen zu widerstehen, Religion und Kirche für ethnische, nationalistische, politische oder populistische Zwecke zu missbrauchen.‘“ In diesem Sinne sei es sehr passend, dass die Unterzeichnung der revidierten Charta Oecumenica am Internationalen Tag der Demokratie begangen wird, heißt es in der Pressemitteilung.
Den Text der revidierten Fassung der Charta Oecumenica gibt es unter www.oekumene-ack.de/themen-materialien/charta-oecumenica/ Dort sind auch weitere Materialien dazu und ein Vergleich der ursprüngliches Fassung von 2003 und der revidierten Fassung zu finden.
Haltung der Adventisten zur Charta Oecumenica
Alle damaligen ACK-Gastmitglieder haben 2003 die Charta Oecumenica aus unterschiedlichen Gründen nicht unterzeichnet. Dazu gehörte die Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Deutschland. Auch die revidierte Fassung hat die Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten nicht unterzeichnet. In Stellungnahme der Leitung der Freikirche in Deutschland, die in Kürze veröffentlicht wird, heißt es dazu: „Vielen Aussagen der Charta Oecumenica ist von Seiten der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten vorbehaltlos zuzustimmen … Darüber hinaus gibt es in diesem Dokument auch Aussagen und Selbstverpflichtungen, deren Charakter von uns als problematisch eingestuft wird. … Das klare Eintreten der Charta für Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit ist uns besonders wichtig (III.10.). Dass Zeugnis für den Glauben niemals durch moralischen Druck oder materielle Anreize erzwungen werden darf, sondern aus freier Entscheidung erwachsen muss, ist eine Überzeugung, die für uns als Freikirche seit unseren Anfängen grundlegend ist. Ebenso unterstützen wir den Einsatz für die Rechte religiöser Minderheiten und den erklärten Willen, Vorurteile zwischen Mehrheits- und Minderheitskirchen abzubauen - ein Anliegen, das uns als kleinere Kirche in vielen europäischen Ländern unmittelbar betrifft (II.5.). Gleiches gilt für den Widerstand gegen jede Vereinnahmung von Religion für nationalistische, politische oder populistische Zwecke (III.7.).
Die Aussagen der Charta zum christlichen Zeugnis und zum Bibelstudium berühren uns sehr … Auch was die Charta zu Frieden und Versöhnung sagt (IV.11.), deckt sich mit unserer Überzeugung … Besonders nahe an unseren Überzeugungen stehen auch die Aussagen zur Bewahrung der Schöpfung (IV.12.). Die Einsicht, dass die ökologische Krise auch Ausdruck eines geistlichen und moralischen Versagens ist, und die Aufforderung zu Genügsamkeit, zu Zurückhaltung im Umgang mit natürlichen Ressourcen und zu einem nachhaltigeren Lebensstil entsprechen unserem biblisch begründeten Verständnis vom Menschen als Verwalter der Schöpfung Gottes … Der Aufruf zu einem vorrangigen Einsatz für die Armen, zum Schutz von Migranten sowie die klare Verurteilung von Menschenhandel und moderner Sklaverei als Verbrechen gegen die Menschlichkeit entsprechen unserem diakonischen Auftrag (IV.13.). Ebenso befürworten wir die Verpflichtung, missbräuchliches Verhalten aufzudecken, Betroffenen zuzuhören und ihre Würde wiederherzustellen (II.4.), sowie den Einsatz für die Sicherheit und Partizipation von Frauen und Kindern (III.7.). … Vorbehaltlos schließen wir uns der Ablehnung jeder Form von Antisemitismus an und würdigen die Bereitschaft, um Vergebung für christlichen Antijudaismus zu bitten und die jüdische Präsenz und das jüdische Erbe in Europa in Erinnerung zu halten (III.8.). In gleicher Weise unterstützen wir den fairen und respektvollen Umgang mit Muslimen sowie mit Vertretern anderer Religionen und Weltanschauungen … Schließlich begrüßen wir auch die besonnene Auseinandersetzung mit neuen Technologien, die vor deren Missbrauch warnt, ohne den technischen Fortschritt grundsätzlich zu verurteilen (IV.14.), sowie die Ernsthaftigkeit, mit der die Anliegen und die Beteiligung junger Menschen in Kirche und Ökumene aufgegriffen werden (II.6.).“
Punkte, bei denen Adventisten Anfragen hätten
Gleichzeitig gebe es aber auch Formulierungen, die keine Zustimmung der Freikirche fänden. Dazu gehört die Taufe. Siebenten-Tags-Adventisten können die Taufe einer anderen Kirche dann anerkennen, wenn sie an gläubigen Menschen durch Untertauchen vollzogen wurde. Dagegen sehen sie die Taufe von Unmündigen nicht als Taufe im Sinne des Neuen Testaments an. Auch bei der Abendmahlsgemeinschaft (Eucharistie) weisen sie auf unterschiedliche Verständnisse innerhalb der Konfessionen hin, praktizieren aber selbst ein Abendmahl, an dem Christen aller Bekenntnisse zur Teilnahme eingeladen sind. Bezüglich des gemeinsamen Zeugnisses mit anderen Kirchen formuliert die adventistische Stellungnahme: „Adventisten haben großes Interesse daran, mit anderen Kirchen über Initiativen zur Evangelisierung zu sprechen. Als problematisch betrachten sie jedoch Erwartungen, sich selbst zu verpflichten, mit anderen Kirchen Vereinbarungen über die Evangelisation zu treffen, ohne zu wissen, um welche Art von Vereinbarungen es geht.“ Im Hinblick auf ein gemeinsames Europa heißt es in der adventistischen Stellungnahme: „Allerdings streben Adventisten weder nach einem irdischen Reich noch nach einem politisch und christlich-religiös geeinten Europa. Dennoch sehen auch wir uns in der Pflicht, christliche Werte in den gesellschaftlichen Diskurs einzubringen. Dies geschieht z.B. durch Stellungnahmen oder Gespräche mit Vertretern des gesellschaftlichen und kirchlichen Lebens. Unser Eintreten für eine klare Trennung von Kirche und Staat zählt ebenfalls darunter. Adventisten werden jedoch immer betonen, dass unsere Hoffnung auf das ewige Reich Gottes gerichtet ist, das am Tag der Parusie [Wiederkunft] Christi in seiner Fülle anbrechen wird.“
Diese Anfragen schmälern nicht die grundsätzliche Wertschätzung, mit der sich Adventisten in das Miteinander der christlichen Kirchen einbringen. Die Selbstverpflichtungen der Charta hätten keinen dogmatischen oder kirchenrechtlichen Charakter; somit liegt es an den Kirchen, welche die Charta unterzeichnet haben, zu entscheiden, wie sie die Selbstverpflichtungen konkret umsetzen wollen. „Für uns als Siebenten-Tags-Adventisten erwächst daraus der Anspruch, nur Verpflichtungen zu unterschreiben, hinter denen wir theologisch und praktisch voll und ganz stehen können. Dies verstehen wir als Ausdruck gegenseitiger Redlichkeit.“
Gleichzeitig erkennt die Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in der Charta Oecumenica auch einige Lernimpulse für sich selbst. Diese betreffen vor allem die gelebte geistliche Einheit und den Dialog mit anderen Christen und die gegenseitige Gastfreundschaft.
ACK in Deutschland
Die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK) wurde am 10. März 1948 gegründet. Derzeit gehören ihr 21 Kirchen unterschiedlicher Traditionen an, weitere vier Kirchen sind Gastmitglieder, darunter die Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten, und fünf ökumenische Organisationen haben Beobachterstatus. Seit März 2025 ist der anglikanische Priester aus Wiesbaden, Reverend Christopher Easthill, Vorsitzender der ACK. Die Geschäftsstelle der ACK in Deutschland, die „Ökumenische Centrale“, hat ihren Sitz in Frankfurt am Main: www.oekumene-ack.de.



