150 Jahre Adventisten in Deutschland – Jubiläumskonferenz in Bochum
Gennadi Giesbrecht, Präsident der Adventisten in Nordrhein-Westfalen (2. v.li.) und Kirchenhistoriker Dr. Johannes Hartlapp (3.v.li.) bei ihrer Vorstellung durch die Moderatoren Maxi und Ben.
© Foto: Gennadi Wedel
Nachrichten

24. Juni 2026 07:51APDBochum, North Rhine-Westphalia, Germany

150 Jahre Adventisten in Deutschland – Jubiläumskonferenz in Bochum

Unter dem Motto „Mut für morgen“ fand am 20. Juni in der Ruhr-Congresshalle in Bochum eine Konferenz der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten statt. Veranstalter war die regionale Gebietskörperschaft der Adventisten in Nordrhein-Westfalen.

Das Konferenzmotto entspricht dem Jubiläumsmotto „150 Jahre Mut für morgen-Kirche“ der Adventisten für 2026. Vor 150 Jahren wurden in Nordrhein-Westfalen (in Solingen und Vohwinkel) die ersten adventistischen Kirchengemeinden (Adventgemeinden) in Deutschland gegründet. Die Veranstaltung wurde von rund 2.500 Personen besucht. Für Kinder und Teens gab es ein eigenes Programm in verschiedenen Altersgruppen.

Streiflichter aus der Gründungsgeschichte der Adventisten

Im ersten Teil des Konferenzgottesdienstes ging der Kirchenhistoriker Dr. Johannes Hartlapp (Theologische Hochschule Friedensau) auf die Gründungsgeschichte der ersten Adventgemeinden in Deutschland ein. Er wies auf die im Bergischen Land verbreitete reformiert-pietistische Frömmigkeit hin, aus der unter anderem die Freien evangelischen Gemeinden und die Brüdergemeinden hervorgegangen sind. In diesem religiösen Umfeld bildete sich eine Gruppe um den Bandweber Johann Heinrich Lindermann. Wie die Siebenten-Tags-Adventisten in Nordamerika und der Schweiz beachtete sie den Sabbat als Ruhetag und erwartete die baldige Wiederkunft Christi. Diese Gruppe gilt als Vorläufer der heutigen adventistischen Freikirche in Deutschland. Nach Vorträgen des adventistischen Evangelisten Joseph Erzberger aus der Schweiz wurden am 8. Januar acht Personen getauft. Im gleichen Jahr wurden die beiden ersten Adventgemeinden in Solingen und Vohwinkel (heute ein Stadtteil von Wuppertal) gegründet. Unter den später hinzugekommenen Gemeindemitgliedern befanden sich auch Anhänger von Johann Heinrich Lindermann.

Identität und Sendung

„Jubiläen sind keine Endpunkte, es sind Wegweiser auf einer längeren Reise.“ Mit diesen Worten eröffnete Gennadi Giesbrecht, Präsident der adventistischen Freikirche in NRW seine Predigt im zweiten Teil des Konferenzgottesdienstes. Darin ging Gennadi Giesbrecht auf das Jubiläumsmotto „Mut für morgen“ ein. Es Motto ist einem alttestamentlichen Bibeltext aus Josua 1,9 entlehnt, in dem es heißt: „Habe ich dir nicht geboten: Sei stark und mutig? Erschrick nicht und fürchte dich nicht! Denn mit dir ist der Herr, dein Gott, wo immer du gehst.“ Das Wort Gottes sei kein Instrument der Abschottung, sondern der Sendung. Dabei gebe es jedoch eine Spannung zwischen Abschottung und Anpassung: „Eine Gemeinde ohne Identität hat niemandem etwas zu geben, aber eine Gemeinde in Abschottung hat niemanden, dem sie etwas geben könnte.“ So sei beides nötig: „Identität ohne Sendung wird zur Abschottung. Sendung ohne Identität wird zur Anpassung.“ Gott verspreche zwar keinen geraden, einfachen Weg, aber seine Gegenwart und Begleitung auf dem Weg. „Gottes Treue trägt uns in die Zukunft. Gottes Wort bewahrt unsere Identität. Gottes Gegenwart geht mit uns“, so formulierte es Gennadi Giesbrecht.

Herausforderungen von Gemeinden heute

Auch im Nachmittagsvortrag von Fabian Petrik, dem Leiter der Abteilung für Kommunikation und Gemeindeaufbau der adventistischen Kirchenleitung in NRW, spielte der bereits erwähnte Bibeltext aus Josua 1 eine tragende Rolle. Petrik nannte einige Herausforderungen, mit denen Kirchen heute konfrontiert sind, beispielsweise die Altersverteilung in den Gemeinden und die mangelnde Relevanz für die Menschen von heute, und ermutigte dazu, den Glauben und die christliche Botschaft in die Öffentlichkeit zu tragen. Als gute Beispiele führt er einige Adventgemeinden in Nordrhein-Westfalen an, die auf die Bedürfnisse der Menschen in ihrer Umgebung eingehen. Auch die Gründung neuer Adventgemeinden und Investitionen in die Jugendarbeit seien wichtig.

Die Konferenz wurde durch gemeinsames Singen von Lobliedern sowie durch Liedvorträge und Musikbeiträge unterschiedlicher Stilrichtungen bereichert. Der Tag klang mit einem gemeinsamen Kuchenimbiss aus.

Ausstellung

Im Foyer und auf den Gängen der Kongresshalle präsentierten Institutionen der Freikirche und befreundeter Werke ihre Angebote, unter anderen das Religionspädagogische Institut (rpi), das Advent-Wohlfahrtswerk e. V. (AWW), die Hilfsorganisation ADRA Deutschland e.V., der Deutsche Verein für Gesundheitspflege e.V. (DVG), das Schulzentrum Marienhöhe (Darmstadt) die Theologische Hochschule Friedensau (bei Magdeburg), das Bergheim Mühlenrahmede, die Adventjugend, das Angebot „In Bindung wachsen“ für Eltern, das Leadership-Training Hills & Valleys, das Angebot Lebensschule, Hope Media, die Stiftung Marburger Medien, ChriSTA-Medien, der STAB-Verlag und der Advent-Verlag (Lüneburg).

Adventisten in NRW und in Deutschland

Die Nordrhein-Westfälische Vereinigung der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten umfasst über 80 adventistische Kirchengemeinden (Adventgemeinden) mit insgesamt 6.250 mündig getauften Mitgliedern. Ihr Verwaltungssitz ist in Herne.

Website: https://nrw.adventisten.de/

In Deutschland umfasst die Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten über 540 Adventgemeinden mit insgesamt 34.500 mündig getauften Mitgliedern. Ihre Verwaltungsstelle befindet sich in Darmstadt auf dem Campus des Schulzentrums Marienhöhe. Website: www.adventisten.de

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