Andacht 11.10.2026
Bildnachweis: Wikipedia, St.-Edward-Krone
Bibel
Glauben

10. Okt. 2026 22:01Roland Nickel

Andacht 11.10.2026

Der Mensch sei die Krone der Schöpfung, sagt man. Nachdem Gott unseren Planeten, Pflanzen und Tiere kreiert habe, sei als Höhepunkt der Mensch geschaffen worden. Bei genauem Lesen des Textes stelle ich allerdings fest: Nicht der Mensch ist die Krone der Schöpfung, sondern der Sabbat. Er ist es, der am Ende der Schöpfungswoche steht, nicht der Mensch. Das Leben der ersten Menschen beginnt mit dem siebenten Tag, dem Ruhetag, dem Sabbat. Das ist stark, oder? Und es hat eine immense theologische Bedeutung.

In unserer Welt müssen wir arbeiten, bevor wir uns ausruhen dürfen. Wir müssen uns die Ruhe verdienen. Wenn wir sechs Tage gearbeitet haben, dann dürfen wir guten Gewissens am siebenten Tag ausruhen. Aber bei Gott ist es anders. Er geht in Vorleistung, er hat die Welt geschaffen, er hat gearbeitet, damit die erste Erfahrung des Menschen der Ruhetag sein konnte.

Darin steckt die Botschaft der Glaubensgerechtigkeit: sola fide – allein durch den Glauben. Durch unsere Leistung können wir die Erlösung nicht verdienen (vgl. Röm 3,24). Sie ist ein Geschenk, die erste Erfahrung, die Menschen mit Gott machen. Erst wer sich der Erlösung gewiss ist, der kann die Arbeit in den sechs folgenden Tagen unverkrampft angehen.

Einen weiteren Aspekt möchte ich erwähnen. Menschen sind stolz auf ihre Leistungen, auf die technischen Errungenschaften, den Fortschritt, der durch die Kreativität und die harte Arbeit entstanden ist. Die Verleihung der Nobelpreise jedes Jahr ist ein Symbol dafür, was Menschen zu leisten imstande sind. Doch menschliche Leistungen zu sehr in den Himmel zu heben hat dazu geführt, dass Gott keinen Platz mehr hat. Das Genie des Menschen braucht offenbar keinen Gott zum Lösen der Probleme dieser Welt.

Der Start menschlichen Lebens mit dem siebenten Tag bedeutet deshalb, den Blick weg von den menschlichen Fähigkeiten zu richten, hin zu Gott, dem Schöpfer des Himmels und der Erde.

Zum Bibelvers: 1. Mose 2,2–3

© Advent-Verlag Lüneburg mit freundlicher Genehmigung (der Link ist: http://www.advent-verlag.de)

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