
20. Sep. 2026 22:01Hartmut Wolf
Andacht 21.09.2026
Es gibt viele Widersprüche in der Bibel und manche Zweifler nehmen sie als Anlass, die Glaubwürdigkeit des Wortes Gottes infrage zu stellen. Aber wie will man eine widersprüchliche Wirklichkeit beschreiben, wenn nicht mit widersprüchlichen Aussagen?!
Auch Christen tun sich schwer damit. Martin Luther bezeichnete den Jakobusbrief als „stroherne Epistel“ und ordnete ihn in seiner Bibelausgabe weiter hinten ein, weil er mit der Aussage, dass der Glaube ohne Werke tot sei, nichts anfangen konnte. Widerspricht das nicht der Aussage von Paulus im Römerbrief, dass uns nur der Glaube „ohne Werke“ rette?
Wir müssen lernen, zwischen scheinbaren und echten Widersprüchen zu unterscheiden. Paulus wollte nur die Frage beantworten, was uns rettet, während Jakobus klarstellen wollte, dass der Glaube der Geretteten auch ganz natürlich Frucht bringen wird, wenn er lebendig ist.
Wenn zwei scheinbar widersprüchliche Aussagen wie oben in den Sprüchen direkt hintereinanderstehen, dann vermuten wir schon eher, dass der Autor sich etwas dabei gedacht hat. Es gibt eben Situationen, in denen das eine Verhalten hilfreich ist, andere Situationen aber das gegenteilige Verhalten verlangen. Und beides kann trotzdem richtig und gut sein.
Weil selten alle Aussagen zu einem Thema an einer Stelle stehen, tun wir gut daran, uns immer wieder die Frage zu stellen: Was sagt die Bibel zum Gegenteil der Stelle, die ich jetzt gerade lese? Denn nur wenn wir auch die gegensätzlichen Aussagen zu einem Thema zusammentragen, kommen wir zu einer ausgewogenen Auslegung. Die Theologen der Reformation im 16. Jahrhundert nannten dieses Prinzip der Bibelauslegung tota scriptura – „die ganze Schrift“.
Von Martin Walser stammt die Weisheit: „Nichts ist ohne sein Gegenteil wahr.“ Obwohl ich diese Aussage zuerst abgelehnt habe, bin ich immer wieder verblüfft, wie oft sie zutrifft.
© Advent-Verlag Lüneburg mit freundlicher Genehmigung (der Link ist: http://www.advent-verlag.de)
Es gibt viele Widersprüche in der Bibel und manche Zweifler nehmen sie als Anlass, die Glaubwürdigkeit des Wortes Gottes infrage zu stellen. Aber wie will man eine widersprüchliche Wirklichkeit beschreiben, wenn nicht mit widersprüchlichen Aussagen?!
Auch Christen tun sich schwer damit. Martin Luther bezeichnete den Jakobusbrief als „stroherne Epistel“ und ordnete ihn in seiner Bibelausgabe weiter hinten ein, weil er mit der Aussage, dass der Glaube ohne Werke tot sei, nichts anfangen konnte. Widerspricht das nicht der Aussage von Paulus im Römerbrief, dass uns nur der Glaube „ohne Werke“ rette?
Wir müssen lernen, zwischen scheinbaren und echten Widersprüchen zu unterscheiden. Paulus wollte nur die Frage beantworten, was uns rettet, während Jakobus klarstellen wollte, dass der Glaube der Geretteten auch ganz natürlich Frucht bringen wird, wenn er lebendig ist.
Wenn zwei scheinbar widersprüchliche Aussagen wie oben in den Sprüchen direkt hintereinanderstehen, dann vermuten wir schon eher, dass der Autor sich etwas dabei gedacht hat. Es gibt eben Situationen, in denen das eine Verhalten hilfreich ist, andere Situationen aber das gegenteilige Verhalten verlangen. Und beides kann trotzdem richtig und gut sein.
Weil selten alle Aussagen zu einem Thema an einer Stelle stehen, tun wir gut daran, uns immer wieder die Frage zu stellen: Was sagt die Bibel zum Gegenteil der Stelle, die ich jetzt gerade lese? Denn nur wenn wir auch die gegensätzlichen Aussagen zu einem Thema zusammentragen, kommen wir zu einer ausgewogenen Auslegung. Die Theologen der Reformation im 16. Jahrhundert nannten dieses Prinzip der Bibelauslegung tota scriptura – „die ganze Schrift“.
Von Martin Walser stammt die Weisheit: „Nichts ist ohne sein Gegenteil wahr.“ Obwohl ich diese Aussage zuerst abgelehnt habe, bin ich immer wieder verblüfft, wie oft sie zutrifft.
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