Andacht 26.09.2026
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Bibel
Glauben

25. Sep. 2026 22:01Rolf Pöhler

Andacht 26.09.2026

Dass die Bergpredigt keine Beruhigungspille ist, sondern Hörer und Leser gehörig herausfordert, dürfte sich herumgesprochen haben. Sanftmütig und barmherzig sollen wir sein, Frieden stiften und Verfolgung ertragen, gute Werke tun und dabei sogar noch die Frömmigkeit der Pharisäer in den Schatten stellen, keinem ein Schimpfwort an den Kopf werfen, keine Frau lustvoll anschauen, uns nicht wehren, wenn man uns ins Gesicht schlägt, und sogar unsere Feinde lieben und segnen. Echt jetzt! Geht’s noch?

Und dann auch noch das: „Seid also vollkommen, wie euer himmlischer Vater vollkommen ist!“ Jesus, du hast gut reden. Du bist der sündlose Gottessohn, du kannst das, keine Frage. Doch wir sind Sünder und „in vieler Hinsicht fehlerhafte Menschen“ (Jak 3,2 GNB). Was erwartest du da Unmögliches von uns?

Ein Blick in die Parallelstelle bei Lukas hilft, den Schock zu mildern, den dieses Wort auslösen kann, und das Missverständnis zu vermeiden, Jesus verlange von uns ein sündloses und fehlerfreies Leben. Zu viele hat diese Deutung schon zu selbstgerechten Perfektionisten gemacht. Nein, es geht hier nicht um Sündlosigkeit, sondern um Barmherzigkeit. „Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist“ (Lk 6,36). Okay, das entspannt die Situation etwas.

Andererseits: Wer tatsächlich so „barmherzig und gnädig und geduldig und von großer Gnade und Treue“ ist wie Gott (2 Mo 34,6), der ist ein vollkommener Mensch. Dabei wollen wir – wie der Prophet Jona – vielleicht gar nicht, dass Gott diese Eigenschaften an den Tag legt (Jona 4,2). Lieber will Jona sterben, als so zu denken und zu handeln, wie Gott nun einmal ist.

Die Herausforderung bleibt: zu lieben, wie Gott liebt – total und bedingungslos! Wir werden unweigerlich aneinander schuldig, da wir – anders als Gott – nicht die Liebe in Person sind. „Bleibt niemand etwas schuldig – außer der Schuld, die ihr niemals abtragen könnt: der Liebe, die ihr einander erweisen sollt“ (Röm 13,8 GNB). Gleichzeitig gilt: „Wer den Mitmenschen liebt, hat alles getan, was das Gesetz fordert“ (V. 8). Und um die Auslegung des Gesetzes geht es ja in der Bergpredigt. „Also ist die Liebe die Erfüllung des Gesetzes“ (V. 10 EÜ) und zugleich die Erfüllung des Aufrufs der Bergpredigt: „Seid vollkommen!“ Es ist eine unmögliche Möglichkeit. Wir haben keine Chance – nutzen wir sie!

Zum Bibelvers: Matthäus 5,48

© Advent-Verlag Lüneburg mit freundlicher Genehmigung (der Link ist: http://www.advent-verlag.de)

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