
29. Aug. 2026 22:01Werner Jelinek
Andacht 30.08.2026
Es ist etwa achtzehn Jahre her. Wir machten Urlaub auf dem Gelände der Liebenzeller Mission. Bei der Verabschiedung fragte mich eine alte Dame: „Haben Sie Jesus in Ihrem Herzen?“ Ich war verblüfft. Ich fand die Frage ein wenig übergriffig. Doch eine Antwort musste her. Ich hätte gern zurückgefragt: „Wie meinen Sie das?“ Am liebsten hätte ich das Gespräch auf einen späteren Zeitpunkt verschoben; einmal darüber geschlafen, um nichts Unüberlegtes von mir zu geben.
Wie schnell sagt man etwas dahin. Wie felsenfest war doch einst Petrus von sich überzeugt, bis ihm der Hahn ins Gewissen krähte, weil sich seine guten Vorsätze in Luft auflösten.
Die Antwort, die von mir erwartet wurde, musste sofort kommen. Die Abreise war nicht aufzuschieben. Ich fühlte mich wie auf dem Standesamt. Vage und ausweichende Antworten gelten dort nicht, etwa: „Ich will’s mal versuchen; so genau weiß ich das auch nicht …“ Ein eindeutiges Ja wird erwartet. So sagte ich freudig Ja und stand dazu.
Jesus im Herzen haben ist zwar nicht so ganz meine Sprache, aber ich ahnte, was die liebe Glaubensschwester meinte. Ich halte mich an Jesus, indem ich mich an sein Wort halte. Sein Wort gibt mir Antwort, stellt mich manchmal infrage. Aber die Zusage seiner Liebe ermutigt mich immer wieder neu. Dabei gelingt die Lebensgemeinschaft mit Jesus nicht ohne Spannungen und Schwankungen. Der Beter des 73. Psalms fand auch erst nach intensivem Ringen zu der klaren Aussage: „Wenn ich nur dich habe“ (V. 25). Vorher bedrängten ihn Fragen, die ihn fast irre werden ließen. Er kam sich wie ein Narr vor. Die Gemeinschaft der Gläubigen, der Besuch des Gottesdienstes und der Blick auf das Ende brachten ihn schließlich zu dieser Haltung.
Ähnlich bekannte es Teresa von Ávila: „Nichts dich beirre, nichts doch verwirre, alles vergeht. Gott zieht nicht um, Geduld erreicht alles. Wer Gott in sich hat, dem fehlt nichts. Nur Gott genügt.“ (Der letzte Satz heißt im Original: „Sólo Dios basta.“)
Nach meinem Ja kam die Entgegnung: „Dann haben Sie alles.“ Es kam mir vor, als wäre mir Jesus selbst durch das Gespräch mit der alten Dame begegnet.
© Advent-Verlag Lüneburg mit freundlicher Genehmigung (der Link ist: http://www.advent-verlag.de)
Es ist etwa achtzehn Jahre her. Wir machten Urlaub auf dem Gelände der Liebenzeller Mission. Bei der Verabschiedung fragte mich eine alte Dame: „Haben Sie Jesus in Ihrem Herzen?“ Ich war verblüfft. Ich fand die Frage ein wenig übergriffig. Doch eine Antwort musste her. Ich hätte gern zurückgefragt: „Wie meinen Sie das?“ Am liebsten hätte ich das Gespräch auf einen späteren Zeitpunkt verschoben; einmal darüber geschlafen, um nichts Unüberlegtes von mir zu geben.
Wie schnell sagt man etwas dahin. Wie felsenfest war doch einst Petrus von sich überzeugt, bis ihm der Hahn ins Gewissen krähte, weil sich seine guten Vorsätze in Luft auflösten.
Die Antwort, die von mir erwartet wurde, musste sofort kommen. Die Abreise war nicht aufzuschieben. Ich fühlte mich wie auf dem Standesamt. Vage und ausweichende Antworten gelten dort nicht, etwa: „Ich will’s mal versuchen; so genau weiß ich das auch nicht …“ Ein eindeutiges Ja wird erwartet. So sagte ich freudig Ja und stand dazu.
Jesus im Herzen haben ist zwar nicht so ganz meine Sprache, aber ich ahnte, was die liebe Glaubensschwester meinte. Ich halte mich an Jesus, indem ich mich an sein Wort halte. Sein Wort gibt mir Antwort, stellt mich manchmal infrage. Aber die Zusage seiner Liebe ermutigt mich immer wieder neu. Dabei gelingt die Lebensgemeinschaft mit Jesus nicht ohne Spannungen und Schwankungen. Der Beter des 73. Psalms fand auch erst nach intensivem Ringen zu der klaren Aussage: „Wenn ich nur dich habe“ (V. 25). Vorher bedrängten ihn Fragen, die ihn fast irre werden ließen. Er kam sich wie ein Narr vor. Die Gemeinschaft der Gläubigen, der Besuch des Gottesdienstes und der Blick auf das Ende brachten ihn schließlich zu dieser Haltung.
Ähnlich bekannte es Teresa von Ávila: „Nichts dich beirre, nichts doch verwirre, alles vergeht. Gott zieht nicht um, Geduld erreicht alles. Wer Gott in sich hat, dem fehlt nichts. Nur Gott genügt.“ (Der letzte Satz heißt im Original: „Sólo Dios basta.“)
Nach meinem Ja kam die Entgegnung: „Dann haben Sie alles.“ Es kam mir vor, als wäre mir Jesus selbst durch das Gespräch mit der alten Dame begegnet.
© Advent-Verlag Lüneburg mit freundlicher Genehmigung (der Link ist: http://www.advent-verlag.de)



