150 Jahre Adventisten in Deutschland: Krankenhaus Waldfriede, Berlin
Blick auf die Gebäude des Krankenhauses Waldfriede in Berlin-Zehlendorf.
© Foto: Krankenhaus Waldfriede
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29. Juni 2026 08:51APDBerlin, Germany

150 Jahre Adventisten in Deutschland: Krankenhaus Waldfriede, Berlin

Das Krankenhaus Waldfriede in Berlin-Zehlendorf wurde 1920 gegründet. Keine andere Klinik in der Stadt ist seit über 100 Jahren am selben Standort und unter der gleichen Trägerschaft.

Träger der Einrichtung ist die Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten. 1876 wurden in Solingen und Vohwinkel (heute ein Stadtteil von Wuppertal) die ersten beiden adventistischen Kirchengemeinden (Adventgemeinden) auf deutschem Boden gegründet. Deshalb feiert die Freikirche in Deutschland unter dem Motto „Mut für morgen“ in diesem Jahr ihr 150-jähriges Bestehen (siehe APD-Meldung vom 27. Januar 2026).

Adventisten und Gesundheit – Beginn in Friedensau

Von Anfang an verstanden sich die Adventisten als geistliche, aber auch als sozial verantwortliche Kirche. Dabei spielt die Gesunderhaltung des Menschen eine besondere Rolle. Bereits 1898 kam aus den USA der deutsch-amerikanische Arzt Dr. A. J. Hoenes nach Deutschland, um ein adventistisches Gesundheitswesen aufzubauen. Als rechtliche Grundlage wurde ein Verein gegründet, der im April 1900 beim Königlichen Amtsgericht Loburg unter dem Namen „Deutscher Verein für Gesundheitspflege e.V. zu Friedensau, Kreis Jerichow 1“ (DVG) angemeldet wurde. In Friedensau, etwa 35 Kilometer östlich von Magdeburg gelegen, erwarb die Freikirche 1899 ein 35 Hektar großes Grundstück. Darauf entstand nicht nur eine Missionsschule, sondern auch eine Nährmittelfabrik zur Herstellung von Produkten der Kellogg-Company, ein Sanatorium mit angeschlossener Krankenpflegeschule, die Friedensauer Schwesternschaft als eigenständiger Berufsverband und ein Seniorenheim. Außerdem wurde die Zeitschrift Gute Gesundheit ins Leben gerufen (siehe APD-Meldung vom 22. Mai 2026).

Im Ersten Weltkrieg diente das Sanatorium zeitweise als Lazarett. 1919 kam das Sanatorium infolge der Auswirkungen des allgemeinen Zusammenbruchs in Deutschland und der schlechten Verkehrsanbindung Friedensaus nicht mehr in Gang. Es sollte stattdessen eine Einrichtung in Großstadtnähe gegründet werden.

Fortsetzung in Berlin

1919 kaufte der Arzt Dr. Louis E. Conradi im Auftrag der Freikirchenleitung in Berlin-Zehlendorf ein Grundstück am Rande des Grunewalds sowie dem nahegelegenen Schlachtensee mit den dazugehörigen Gebäuden des ehemaligen Lungensanatoriums von Dr. Ziegelroth. Dr. Conradi, seine Ehefrau, eine Krankenschwester und ein Krankenpfleger sowie ein Mitarbeiter der Verwaltung waren die eigentlichen Pioniere des damaligen „Sanatorium und Klinik Waldfriede“.

Nach dem Vorbild des im Jahr 1886 gegründeten adventistischen Battle Creek Krankenhauses in Michigan, USA, das vom Arzt Dr. John Harvey Kellogg geleitet wurde, der unter anderem die Cornflakes erfand, sollte in Waldfriede nicht nur der medizinische, sondern vor allem der präventive und ganzheitliche Behandlungsansatz im Vordergrund stehen. Am 15. April 1920 wurde das Akutkrankenhaus Waldfriede eröffnet. Die Gesundheitseinrichtung begann mit 39 Betten in 27 Krankenzimmern und einem noch nicht fertiggestellten Operationssaal.

In den Jahren 1922/23 ermöglichten Spenden und eigene Mittel einen Erweiterungsbau. 1922 erhielt das Krankenhaus die staatliche Anerkennung und die Erlaubnis, eine Krankenpflegeschule zu eröffnen. Diese besteht bis heute als Akademie für Gesundheits- und Krankenpflege mit über 70 Ausbildungsplätzen und ist seit Herbst 2023 im benachbarten Teltow ansässig.

Der Krankenhausstandort durchlebte im Laufe der nächsten Jahrzehnte Höhen und Tiefen. Vor allem in den ersten 25 Jahren waren mit den Auswirkungen der Inflation, der Weltwirtschaftskrise, dem Nationalsozialismus und dem Zweiten Weltkrieg große Schwierigkeiten zu bewältigen. Von den Bombenangriffen in den 1940er-Jahren blieb das Krankenhaus verschont.

Sozialstation und „Prima Vita

In der jüngeren Vergangenheit kam es 1986 zum Aufbau eines ehrenamtlichen Hilfsdienstes, der den Patienten von der Aufnahme bis zur Begleitung auf den Stationen behilflich ist. Das Krankenhaus hatte in diesem Jahr seinen Höchststand mit 230 Betten erreicht (heute 175 Betten). Am 1. Oktober 1989 wurde eine Sozialstation gegründet und erstmalig in Deutschland an ein Akutkrankenhaus angesiedelt. Kranke und pflegebedürftige Menschen in ihrer vertrauten häuslichen Umgebung zu versorgen und ihre Selbständigkeit so weit als möglich zu erhalten und zu fördern, ist seitdem das Ziel dieser Arbeit.

1993 wurde mit dem „Gesundheitszentrum PrimaVita“ erstmals an einem Akutkrankenhaus in Deutschland ein Gesundheitsförderungszentrum mit einem strukturierten Präventivprogramm hinzugefügt. Bereits 1984, lange bevor sich der Gesetzgeber mit Präventionsprogrammen befasste, fanden im Krankenhaus Waldfriede Gesundheitsseminare statt. Im Jahr 2002 wurde das Gesundheitszentrum inhaltlich, personell und mit Partnern erweitert. Seitdem wird ein breites präventivmedizinisches Spektrum an Kursen und Seminaren zu den Themen Bewegung, Ernährung, Gewichtsmanagement und allgemeiner Lebensstil von Medizinern, Ernährungswissenschaftlern, Bewegungstherapeuten, Psychologen und ehrenamtlichen Mitarbeitern angeboten.

1999 erfolgte die Gründung der „Servicegesellschaft Krankenhaus Waldfriede“ (SKW), die vor allem die Wirtschafts- und Versorgungsleistungen erbringt und verantwortlich für Verpflegung, Reinigung, Transportdienst und Bettenzentrale ist.

Babywiege und Kita

Seit September 2000 bot Waldfriede weltweit als erstes Krankenhaus mit der „Babywiege“ (Babyklappe) ein umfangreiches Beratungs- und Betreuungskonzept an. Das Projekt wurde wegen mangelndem Bedarf im März 2025 beendet, da durch ein neues Gesetz mit der „Vertraulichen Geburt“ nun Frauen die Möglichkeit haben, ihr Kind medizinisch sicher und anonym zur Welt zu bringen.

2005 wurde Waldfriede eines von acht anerkannten Brustkrebszentren in Berlin mit einem DMP-Vertrag der Krankenkassen. Im selben Jahr wurde das Krankenhaus zum ersten Mal nach KTQ (Kooperation für Transparenz und Gesundheitswesen) zertifiziert. Außerdem erhielt es eine Auszeichnung als „rauchfreies Krankenhaus“. 2006 entstand das Zentrum für Darm- und Beckenbodenchirurgie. Seit September 2007 wird vom Krankenhaus in Zusammenarbeit mit dem Advent-Wohlfahrtswerk e.V. (AWW) eine Kindertagesstätte mit 60 Plätzen betrieben.

Angstfreies Krankenhaus

Zur Stärkung der internationalen Beziehungen schloss Waldfriede 2008 eine Kooperationsvereinbarung mit der Florida-Hospital-Kette in Orlando/USA ab. Sie beinhaltet die Zusammenarbeit auf dem medizinischen, pflegerischen und administrativen Sektor. Zudem wurde Waldfriede mit seinem „Interdisziplinären Darm- und Beckenbodenzentrum“ Europäische Ausbildungsstätte für Operationstechniken, an der Ärzte aus dem In- und Ausland teilnehmen. 2008 übernahm das Krankenhaus vom Berliner Bezirk Steglitz-Zehlendorf das Schwimmbad am Teltower Damm, um dort sämtliche Schwimmkurse und medizinische Wasseranwendungen im Rahmen des präventiven Kursprogramms durchzuführen.

Beim Projekt „Angstfreies Krankenhaus“ handelt es sich seit 2011 um ein besonderes Angebot, das den Leidensdruck von Erkrankten verringern möchte und so deren rasche Heilung begünstigt.  Am 11. September 2013 öffnete das „Dessert Flower Center Waldfriede“ seine Pforten. In dem weltweit ersten Zentrum seiner Art werden Frauen und Mädchen behandelt, deren äußere Genitalien verstümmelt wurden. Dabei werden verstümmelte Genitalien operativ wieder hergestellt und die betroffenen Frauen psychologisch betreut und bestmöglich rehabilitiert.

Privatklinik und Tagesklinik

Mit der „Privatklinik Nikolassee“ gibt es seit 2012 ein zweites adventistisches Akutkrankenhaus in Berlin. Die Klinik mit 16 Behandlungsplätzen für Innere Medizin, Psychosomatik und Psychiatrie liegt nur drei Kilometer vom Krankenhaus Waldfriede entfernt. Während sich die Privatklinik mit einem stationären Angebot an Menschen mit psychiatrisch-psychosomatischen Erkrankungen wendet, bietet die 2017 eröffnete „Psychiatrisch-Psychosomatische Tagesklinik Waldfriede“ eine ambulante Behandlung an.

Ein Roboter für Waldfriede

Zu Beginn des Jahres 2021 wurde mit der Anschaffung des Chirurgiesystems „DaVinci“ die neue Abteilung „Zentrum Onkologische Oberbauchchirurgie und Robotik“ in Betrieb genommen. Mit der Zertifizierung drei weiterer Krebszentren, dem Analkarzinom-, dem Pankreaskarzinom- und dem Viszeralonkologischen Krebszentrum, vergrößerte und erweiterte 2022 das Krankenhaus seine Kompetenzen im Bereich des onkologischen Schwerpunkts.

Das Krankenhaus Waldfriede erhielt 2025 zum fünften Mal in Folge von der US-amerikanischen Zeitschrift „Newsweek“ die Auszeichnung als eines der besten Krankenhäuser weltweit (siehe APD-Meldung vom 3. März 2025).

Bereits 1996 wurde Waldfriede „Akademisches Lehrkrankenhaus der Charité – Universitätsmedizin Berlin“. Seit 2025 darf das Krankenhaus einen weiteren Titel führen: „Akademisches Lehrkrankenhaus der HMU Health and Medical University Potsdam“.

Wissenswertes

Das Netzwerk Waldfriede ist mittlerweile einer der vielfältigsten Medizin- und Pflegeanbieter im Berliner Südwesten und mit rund 950 Beschäftigten auch einer der größten Arbeitgeber und Ausbildungsbetriebe im Bezirk Steglitz-Zehlendorf, berichtet Bernd Quoß, Vorstand des Krankenhauses und Geschäftsführer aller Nebenbetriebe. Pro Jahr würden etwa 15.000 Patienten stationär und 120.000 ambulant behandelt. Waldfriede verfügt über folgende Fachbereiche: Innere Medizin, Gynäkologie und Geburtshilfe, Brustzentrum, Anästhesiologie und Intensivmedizin, Allgemein- und Viszeralchirurgie, Zentrum für Darm- und Beckenbodenchirurgie, Zentrum für Endokrine Chirurgie sowie Radiologie.

Bernd Quoß sieht seine Aufgabe darin, das Krankenhaus „mit Hilfe meiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter medizinisch und pflegerisch auf höchstes Niveau zu führen und auch dem Konkurrenzdruck von rund 80 Krankenhäusern in Berlin Stand zu halten. Gleichzeitig möchte ich auch weiterhin unserer christlichen Ethik und der sozialen Verantwortung gegenüber den Patientinnen und Patienten sowie den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gerecht werden. Sehr viele nationale und internationale Auszeichnungen bestätigen unseren eingeschlagenen Weg. Trotz aller Herausforderungen pflegen und versorgen wir unsere Patienten nach unserem christlichen Grundsatz ‚Unser Dienst am Menschen ist Dienst an Gott‘.“

Das Krankenhaus Waldfriede ist unter anderem Mitglied im Diakonischen Werk Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, im Deutschen Evangelischen Krankenhausverband e.V. (DEKV) und Kooperationspartner des adventistischen Krankenhausverbundes Advent Health in den USA. Weitere Informationen: www.krankenhaus-waldfriede.de

„Die Schwestern vom Waldfriede“

2023 erschien der vierte und letzte Band der Romanreihe „Die Schwestern vom Waldfriede“ von Bestseller-Autorin Corina Bomann. Die Buchreihe basiert größtenteils auf wahren Gegebenheiten aus dem Krankenhaus Waldfriede Alle vier Bände haben sich auf der Spiegel-Bestsellerliste platziert (siehe APD-Meldung vom 4. August 2023). Mit ihren setzt die Schriftstellerin dem Krankenhaus Waldfriede ein besonderes Denkmal. Die Idee zu dieser Serie kam ihr bei einem Aufenthalt dort, bei dem sie historische Dokumente und Fotos entdeckte. Dies weckte ihr Interesse an der Geschichte des Krankenhauses und sie kontaktierte die Krankenhausleitung, die ihr daraufhin die Chronik der Krankenschwester Hanna Rinder zukommen ließ. In ihrer Chronik beschrieb Hanna Rinder manche Abenteuer der Ärzte, Krankenschwestern, Pfleger, Sie berichtete von Hochzeiten und Todesfällen, von Freude, Nöten und Leid. Diese Chronik inspirierte Corinna Bomann für ihre Romanserie, in der die Geburtsstunde und die weitere Geschichte des Krankenhauses Waldfriede erzählt wird.

Die vier Bände aus dem Penguin Verlag im Einzelnen sind:

1. „Sternstunde - Die Schwestern vom Waldfriede“ (ISBN 978-3-328-60205-7)

2. „Leuchtfeuer - Die Schwestern vom Waldfriede“ (ISBN 978-3-328-60226-2)

3. „Sturmtage - Die Schwestern vom Waldfriede“ (ISBN 978-3-328-60234-7)

4. „Wunderzeit - Die Schwestern vom Waldfriede“  (ISBN 978-3-328-60235-4)

Die Autorin Corina Bomann lebt in Berlin-Zehlendorf – in direkter Nachbarschaft zum Krankenhaus Waldfriede.

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