Andacht 03.06.2026
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Bibel
Glauben

2. Juni 2026 22:01Sylvain Romain

Andacht 03.06.2026

Psalm 43 beginnt mit der Bitte „Schaffe mir Recht, Gott, und führe meine Sache wider das treulose Volk“. Das erinnert an die Witwe in Lukas 18,1–8, die um das Gleiche bittet. Der Richter, an den sie ihre Bitte richtet, reagiert allerdings ziemlich genervt. Eine unbedeutende Frau gegen diejenigen zu verteidigen, die am längeren Hebel der Gesellschaft sitzen, würde seiner Karriere schaden. Und schließlich hat er wichtigere Klienten.

Doch im Orient war und ist alles anders. Dort gilt ein gewisses Drängen als Tugend. Dazwischenreden ist höflich, weil es rege Anteilnahme zeigt. Jemanden unangemeldet zu besuchen ist ein Zeichen der Freundschaft, denn einen Freund kann man jederzeit stören, ohne ihn wirklich zu stören. Und wer lange auf seinem Anliegen beharrt, zeigt, dass er es ernst meint. Andere Länder, andere Sitten.

„Herr Richter, Sie können das! Trauen Sie sich ­ruhig, einer armen Witwe gegen die Mächtigen Recht zu verschaffen!“ Es hört sich fast an wie das Anspornen eines Kindes, das das Radfahren lernt, oder wie eine Einladung zum Kampf gegen Goliat.

Damit trifft diese Frau den Nerv des Richters: sein Ehrgefühl. Sie ehrt ihn, denn sie traut ihm etwas zu, was kein anderer tun würde. Damit sagt sie ihm, er sei besser als seine Kollegen; gerecht, weil er ohne Ansehen der Person handelt.

Wie ist es mit Gott? Kann man ihn nerven? Nein – im Gegenteil: „Bittet, so wird euch gegeben“ (Mt 7,7). Wie oft lädt uns der Gott der Bibel ein, ihn zu bitten?

Das aramäische Wort für Gebet ist salaat, „eine Falle stellen“ und „abwarten“. So wie ein Fotograf, der in seinem Versteck in der afrikanischen Savanne tagelang auf das Bild des Jahres hofft; so wie jemand, der alle paar Minuten auf sein Handy schaut, weil er eine Nachricht kaum erwarten kann, so dürfen wir im ­Gebet ausharren.

Das biblische Konzept der Geduld beinhaltet Hartnäckigkeit. Die Geduld der Heiligen (vgl. Offb 14,12) ist das Gegenteil von Aufgeben. Obwohl unser himmlischer Vater weiß, was wir brauchen, dürfen wir ohne Unterlass beten, denn damit ehren wir ihn.

Zum Bibelvers: Psalm 43,5

© Advent-Verlag Lüneburg mit freundlicher Genehmigung (der Link ist: http://www.advent-verlag.de)

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