Andacht 07.09.2026
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6. Sep. 2026 22:01Claudia Mohr

Andacht 07.09.2026

Gedanken zum Thema: Natur

Deutschland hat den neuesten Trend aus dem angelsächsischen Sprachraum verschlafen: Nature Writing – fiktionale oder nichtfiktionale Naturbeschreibungen, die das Verhältnis des Menschen zu seiner belebten und unbelebten Umwelt spiegeln. Dabei geht es über die Beschreibung der wilden, unberührten Natur hinaus; auch Kulturlandschaften oder gestörte Lebensräume werden thematisiert. Zweck ist die Reflexion der eigenen Naturerfahrung, die neben autobiografischen Elementen oft auch eine politische Dimension hat. Die literarischen Naturerkundungen von Henry David Thoreau sind heute weltbekannt. Weniger bekannt ist Annie Dillard, die es 1972 in die Wälder am Tinker Creek zog, um der Sinnhaftigkeit des Lebens nachzuspüren. Dort erkundete sie winzige Ameisenlöwentrichter im Robinienhain und bauchige Monarchfalterpuppen an hellgrüner Wolfsmilch, um vom Kleinen auf das ganz Große zu schließen.

Auch die Bibel kennt das Nature Writing. Es gibt sogenannte Schöpfungspsalmen, die die Natur als Schöpfung Gottes zum Hauptthema haben. Psalm 19, Psalm 33 und Psalm 104 beispielsweise. Hier wird die Tatsache, dass wir über Gott nicht verfügen können, und die Anbetung als natürliche Antwort des Menschen auf die unbegreifliche Schöpfung dargestellt. David beginnt in Psalm 19 mit einer poetischen Naturerfahrung und führt diese dann über zur Gotteserfahrung. Er besingt das Gesetz Gottes, sein Zeugnis, seine Befehle, seine Gebote und die Furcht des Herrn. Interessanterweise endet der Psalm mit einem Schuldbekenntnis und dem Wunsch, Gott wohlgefällig zu sein. David spricht vom „Gespräch meines Herzens vor dir“ (Ps 19,15). Schöner könnte man auch im Nature Writing die eigene Naturerfahrung nicht ausformulieren, die für Christen eben auch eine religiöse Dimension hat. Wer sich der Schöpfung aussetzt, kann eine innere Reise zu sich selbst unternehmen. Da, wo diese Form von zeitgenössischer Literatur stehen bleibt, nämlich beim Menschen und seinem Tun, können Christen mehr erkennen: Gott in seinem Handeln. Und wer Gott begegnet, stellt zwangsläufig fest, wie klein, sündig und erlösungsbedürftig der Mensch doch ist. So endet Psalm 19: „HERR, mein Fels und mein Erlöser“ (V. 15). Poetischer kann man es kaum formulieren.

Zum Bibelvers: Psalm 19,2

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