Andacht 10.05.2026
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Bibel
Glauben

9. Mai 2026 22:01Claudia Mohr

Andacht 10.05.2026

Gedanken zum Thema: Gebet

Zu den schönsten Bibelabschnitten gehören die ­Gebete Jesu. Das Vaterunser kennt jeder Christ, das hohepriesterliche Gebet ist weniger bekannt. Jesu ­Gebete berühren uns Menschen tief im Innern und sind unwahrscheinlich inklusiv. Während das Vaterunser eher die Grundlagen des (christlichen) Lebens thematisiert, hat das hohepriesterliche Gebet einen anderen Schwerpunkt. Es ist in seiner Ausrichtung ein Fürbittgebet. Jesus bittet für seine Jünger und ­deren Auf­gabe. Der Kern seiner Worte ist die Einheit. Dreimal bittet er um Einheit seiner Nachfolger (V. 11.21–22). Begründet ist diese Einheit in der Einheit, die auch die Dreieinigkeit auszeichnet. Kein Streit, keine Meinungsverschiedenheiten, bedingungslose Unterstützung, volles Vertrauen und absolutes Verstehen – paradiesische Zustände.

Wünschen wir uns das nicht auch für unsere Beziehungen? In der Familie, in der Nachbarschaft und vor allem in der Kirchengemeinde? Gerade unter Christen müsste es doch am besten gelingen, da alle den gleichen Wertmaßstäben verpflichtet sind. Doch wenn wir ehrlich sind, sieht die Realität oft anders aus. Wir verlieren uns bei allem guten Willen häufig in Nebensächlichkeit, Befindlichkeit und Dickköpfigkeit. Dabei ist das Geheimnis der Einheit Jesus selbst, unser aller Mitte und unser Zentrum.

Napoleon stand eines Tages kurz vor einer Meuterei seiner Truppen. Es galt, keine Zeit zu verlieren. So befahl er, dass alle Soldaten auf den Paradeplatz kommen sollten. Dort gab er die Order, sich zu einem großen Kreis aufzustellen, bei dem sich die Soldaten mit ausgebreiteten Armen an den Fingerspitzen berühren konnten. Napoleon selbst stellte sich in die Mitte des Kreises und verkündete: „Wenn ich ‚Marsch!‘ sage, dann kommen alle einen Schritt näher!“ Dann gab er den Befehl: „Marsch!“ Und wieder und wieder, bis alle Soldaten Schulter an Schulter standen. Dann schaute der Kaiser jedem Mann fest in die Augen: „Abtreten!“ Als Napoleon den Platz verließ, sagte er zu seinen Generälen: „Heute wird es keine Revolte in Frankreich geben!“

Wenn wir Jesus in unsere Mitte stellen und auf ihn zugehen, dann kommen wir auch dem Nächsten näher und unser Vertrauen wächst. Revolten sind dann unnötig – auch im Miteinander. Los geht’s.

Zum Bibelvers: Johannes 17,22

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