Buchrezension: Diane Button: Was am meisten zählt
© Buchcover: Integral Verlag, München
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30. Juni 2026 08:35APDDarmstadt, Hesse, Germany

Buchrezension: Diane Button: Was am meisten zählt

Hebammen kennen wir, doch was macht eine Sterbeamme? Diane Button lässt in ihrem Buch an ihrer Berufung teilhaben und fasst ihre Einsichten zum Lebensende in 28 Lektionen zusammen.

In Kalifornien gibt es nicht nur Hebammen, sondern auch sogenannte Sterbeammen, die Death-Doulas. Diese Doulas (männlich wie weiblich) sehen sich als Begleitung in den Tod analog zur Geburt. Ihr Ziel ist es nicht, die Klienten zu trösten, sondern mit ihnen gemeinsam das Leben zu reflektieren, zu bewerten und möglichst gut zu vollenden. Es gibt keine Ratschläge, kein schnelles Aufmuntern oder Ablenken, sondern Zuhören und Raum für Gefühle. In den Gesprächen geht es nicht nur um den Tod und das Sterben, sondern vor allem um das Leben und die getroffenen Entscheidungen. In „28 Geschichten vom Ende” berichtet die Unternehmerin, ehemalige Hospizmitarbeiterin und zertifizierte End-of-Life-Doula Diane Button.

Für die Lektüre ist es wichtig zu wissen, dass der Bundesstaat Kalifornien ein Gesetz erlassen hat, das erwachsenen, todkranken Einwohnern den Zugang zu Sterbehilfe ermöglicht. Der „California End of Life Option Act“ erlaubt es Ärzten seit Juni 2016, Medikamente zu verschreiben, um das Leben eines unheilbar kranken Patienten zu beenden, sofern bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind. Diese Tatsache wird in dem Buch angesprochen, jedoch ist nicht immer klar, wann ein Klient von diesem Recht beim Sterben Gebrauch macht. Auch wenn das Gesetz ethisch sehr umstritten ist, prägt es den Alltag der kalifornischen Death-Doulas. In Deutschland sind die gesetzlichen Voraussetzungen zur Sterbehilfe anders und folglich auch der Umgang mit Sterbenden.

Zum Inhalt

Auf rund 250 Seiten gewährt Diane Button Einblicke in ihren Berufsalltag. Das Buch besteht im Wesentlichen aus 28 Geschichten, die jeweils am Ende in kurzen Lebensweisheiten zum Thema Leben und Sterben zusammengefasst werden. Darüber hinaus enthält es ein Vorwort, Anmerkungen der Autorin und des Verlags, eine Einleitung, ein Nachwort, einen Dank und eine Checkliste. Die Lektionen tragen Überschriften wie: „Das letzte Mal“, „Wie geht es dir wirklich?“, „Trauer ist Liebe“, „Ich liebe dich auch“, „Ein natürliches Heilmittel“, „Was uns Kraft verleiht“ oder „Der Glückszähler“. In jeder Geschichte berichtet die Autorin von Menschen, die sie bis zu ihrem letzten Atemzug begleitet hat, und von den Einsichten, die sie daraus gewonnen hat.

Zum Buch

Was am meisten zählt ist ein gut lesbares Buch, das zum Nachdenken über das Lebensende einlädt. Im amerikanischen Stil werden die letzten Momente der Klienten eindringlich dargestellt. Auch wenn es ums Sterben geht, gelingt es Button, ohne Theatralik zu schreiben. Sie trifft den richtigen Ton, ist einfühlsam und verständnisvoll. Ohne morbid zu wirken, beschreibt sie das Sterben mit großem Respekt vor dem (selbstbestimmten) Lebensende als Tür in eine neue Welt. Da solche existentiellen Fragen ohne Metaphysik oder Religiosität nur unzureichend abgehandelt werden können, streift Button diese Thematik kurz, bleibt dabei jedoch überkonfessionell.

Aus den vielen Geschichten vom Lebensende wird deutlich, dass Spiritualität und persönlicher Glaube wichtige Grundpfeiler eines sinnerfüllten Lebens sind. Die Autorin vertritt die Meinung, dass eine spirituelle Praxis Halt gibt, Trost spendet und Hoffnung schenkt. Für sie ist nicht Religiosität, sondern Spiritualität bedeutsam. Diese lasse sich nicht in richtig und falsch gliedern, sondern sei Ausdruck der individuellen Hinwendung zu Gott. „Spiritualität bedeutet, sich Tag für Tag bewusst zu machen, wo wir hingehören, wie wir anderen begegnen, was uns morgens antreibt und wie wir dem Leben begegnen“ (S. 155).

Sie wird deutlich, wenn sie rät: „Ein ungeklärtes Verhältnis zum Glauben kann schwere seelische Krisen auslösen… Wenn ich dir einen einzigen Rat geben dürfte…: Komm ins Reine mit dem, woran du glaubst“ (S. 154). Button vertritt die Meinung, dass das Jenseits ein Mysterium ist, in dem unsere verstorbenen Vorfahren uns liebevoll empfangen. Jede Religion findet hier eigene Antworten. Für manche konfessionellen Überzeugungen wird es jedoch schwierig, wenn davon berichtet wird, wie diese Vorfahren den Sterbenden erscheinen und sie ins Jenseits begleiten möchten.

Alles in allem ist das Buch mit seinen Geschichten und Checklisten bereichernd und weise. Deutlich wird: Wer gut sterben will, muss lernen, gut zu leben. Dazu gehört, Fehler einzusehen, sie wenn möglich wieder gutzumachen, zerbrochene Beziehungen zu heilen, Schuld und Scham loszulassen, Vergebung zu erleben und ein Vermächtnis zu hinterlassen. Früher oblag diese Sterbebegleitung traditionell einem Geistlichen. Heute gibt es dafür außerdem therapeutische Begleitung, oder eben eine Death-Doula, die dabei hilft, Sorgen, Reuegefühle, Ängste und unerledigte Themen aufzuspüren, die noch belasten, damit man befreit durch das Tor in eine neue Wirklichkeit schreiten kann.

Claudia Mohr

Die Rezension kann unter diesem Shortlink als Dokument heruntergeladen werden: https://tinyurl.com/34nbr4ku

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