Andacht 05.06.2026
Bildnachweis: Gerd Altmann, Pixabay
Bibel
Glauben

4. Juni 2026 22:01Albrecht Höschele

Andacht 05.06.2026

Gedanken zum Thema: Vergebung

Ein Christ schwärzte bei Kollegen seinen Mitarbeiter an und sagte kritisch: „Der entschuldigt sich dauernd.“ Dabei ist Entschuldigen ein zentrales Anliegen des Evangeliums. Nichts anderes bietet uns der himmlische Vater durch Jesus an. Der „Schuldschein“ für all unsere Verfehlungen wurde mit ihm ein für alle Mal ans Kreuz gehängt. Und als er dort rief: „Es ist vollbracht“, galt das auch für meine „Liste“ – meine Vergehen, für die Gottes Sohn mich durch sein stellvertretendes Opfer ent-schuldigt hat.

Das Wort für „vollbracht“ im Neuen Testament (­tetelestai) wurde in vorchristlicher Zeit von griechischen Geschäftsleuten auf vollständig bezahlten Rechnungen vermerkt. Anders als manchmal wir Menschen freut sich der liebende Gott im Himmel über jeden, der ihn dankbar um Vergebung bittet – ­Jesus hat dies sogar eigens im Vaterunser betont (Mt 6,12).

Und wenn wir Kinder Gottes sind, wird uns der himmlische Vater wegen gelegentlicher Rückfälle niemals wegschicken, sondern uns vergeben.

Seine Vergebung schenkt uns auch Freiheit für die Liebe zu Gott und dem Nächsten. Wo wir uns im ­Namen Jesu entschuldigen, wird wahres christliches Zusammenleben möglich. Nur so kann Gemeinschaft auf Dauer gelingen.

Ein weiterer Aspekt der Vergebung – neben Jesus und unserem Nächsten – betrifft uns selbst. Manche Menschen finden es schwer, sich selbst zu vergeben. Das hat wohl unter anderem mit mangelndem Selbstwertgefühl zu tun. Vielleicht braucht da jemand Seelsorge, um zu lernen, dass Heilung in gewisser Weise mit Loslassen beginnt. Bei Gott gilt durch Jesus allemal: „Entschuldigung angenommen!“ Da gibt es keine Grenze; wer es anders sieht, hat das Evangelium (noch) nicht richtig verstanden.

Ein gläubiger Mann berichtete, wie seine Tochter sich oft entschuldigt und stets darauf wartet, dass er ihre Entschuldigung annimmt. Dann ist sie glücklich, und erst recht, wenn der Vater sie dabei in die Arme nimmt. Auf diese Art begegnet uns auch Gott, unser himmlischer Vater. Und wir dürfen anderen Mut machen, sich bei ihm heute und in Zukunft geborgen zu fühlen.

Zum Bibelvers: Kolosser 2,14

© Advent-Verlag Lüneburg mit freundlicher Genehmigung (der Link ist: http://www.advent-verlag.de)