Andacht 12.01.2026
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11. Jan. 2026 23:01Gunther Klenk

Andacht 12.01.2026

Gedanken zum Thema: Retten

In der Nacht war viel Schnee gefallen und die Temperaturen waren einige Grad unter Null gesunken. Welche Auswirkungen dies auf die Vogelwelt hatte, konnte ich an meinem Futterhaus beobachten. Unter solchen erschwerten Bedingungen tauchen dort Vogel­arten zur Nahrungssuche auf, die ich sonst nicht zu Gesicht ­bekomme.

Doch das Vordringen in eine neue Umgebung kann auch Risiken beinhalten. So geriet an diesem Morgen ein kleiner Erlenzeisig hinter einer Glasscheibe bei unserem Hauseingang in Gefangenschaft. Eigentlich hätte er seitlich wegfliegen können, doch sein Bemühen, freizukommen, blieb erfolglos. Was tun?

Ich nutzte die Gelegenheit, den kleinen Besucher in die Hand zu nehmen und ihm den Weg in die Freiheit zu zeigen. Vorher zeigte ich ihn jedoch meiner Frau. Schließlich ist es etwas Besonderes, ein so kleines Geschöpf in der Hand zu halten. Deutlich spürte ich das Pochen des Vogelherzens und hatte fast Angst, die große Aufregung könnte für das kleine Tier gefährlich werden. Doch kurz darauf entließ ich unseren Gast wieder in seine Freiheit. Er war gerettet.

Das Bild des gefangenen Vogels benutzte der weise Salomo, um seinem Sohn einen Rat fürs Leben zu geben. Offenbar war dieser durch Versprechen und Handschlag eine Verpflichtung eingegangen, um für einen Nächsten zu bürgen (vgl. Spr 6,1–2). Man kann solch eine Handlung durchaus positiv bewerten, denn es geht ja um Hilfe für einen Mitmenschen in Not. Dennoch ist es vorteilhaft, sich möglichst rasch wieder von solchen Bindungen zu befreien. Stets sollte es das Ziel sein, dass jeder Mensch durch eigenen Einsatz und Fleiß ein Einkommen erwirtschaften kann, um selbstständig leben zu können. In diese Richtung gehen Salomos Gedanken, wenn er auffordert: „Geh hin zur Ameise, du Fauler, sieh ihre Wege an und ­werde weise!“ (V. 6). Dies gilt wohl nicht dem, der sich bereit erklärt, Bürge zu sein, sondern dem, der eine Bürgschaft in Anspruch nimmt.

Belastende Verpflichtungen loszuwerden schenkt eine Freiheit, die Gott uns nicht nur in materieller Hinsicht wünscht.

Zum Bibelvers: Sprüche 6,5

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