Andacht 19.05.2026
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Bibel
Glauben

18. Mai 2026 22:01Jessica Kaufmann

Andacht 19.05.2026

Gedanken zum Thema: Ermutigen

Pessimisten stressen mich. Diejenigen, die ständig ein Haar in der Suppe finden, den klitzekleinen Fehler, die schon von vorneherein wissen, warum etwas scheitern wird. Die mit nur einem Satz eine ganz tolle Idee und Stimmung kaputt machen können. Die auf Nummer sicher gehen, jedes Risiko scheuen.

In einer Fortbildung für Führungskräfte lernte ich: „Wenn ihr eine neue Idee erarbeitet habt, legt sie ­euren Pessimisten vor. Sie können die Schwachstellen des Plans sofort ausmachen, und so hat man die Möglichkeit, diesen zu verbessern.“

Paulus fordert in seinem Brief an die Thessalonicher heraus, indem er nicht sagt: „Überhört die Ängstlichen, sie sehen alles zu negativ.“ Er sagt: „Ermutigt sie. Helft den Schwachen. Und habt Geduld mit allen.“ Ermutigen bedeutet, ich setze mich mit den Ängsten und den Bedenken von Ängstlichen auseinander. Ich gedulde mich, höre zu.

Vielleicht ist es deshalb so herausfordernd, weil ich mich mit meinen eigenen (versteckten) Ängsten auseinandersetzen muss? Weil auch ich eine ängstliche, schwache Seite habe?

Mir gefällt, dass in der christlichen Gemeinschaft der Mensch mit seinen Schwächen und Fragen sein darf. Wir können die Anteile in uns, mit denen wir uns nicht so gut anfreunden, annehmen, statt sie verbissen zu bekämpfen. Weil wir angenommen wurden von unserem Vater im Himmel. Und wir können in der Unterschiedlichkeit, vielleicht auch in den Extremen voneinander lernen.

Ein paar Verse zuvor heißt es: „Lasst uns wachen und nüchtern sein“ (V. 6). Die Nüchternheit – ein Gegensatz und Ausgleich zur Trägheit, aber vielleicht auch zu einer zu großen Euphorie, einem zu naiven Optimismus. So tragen wir uns gegenseitig, Optimisten und Pessimisten, und haben Geduld miteinander.
Gut, dass wir einander haben,
gut, dass wir einander sehn.
Sorgen, Freude, Kräfte teilen
und auf einem Wege gehn.
Gut, dass wir nicht uns nur haben,
dass der Kreis sich niemals schließt
und dass Gott, von dem wir reden,
hier in unsrer Mitte ist. (ghs 379)

Zum Bibelvers: 1. Thessalonicher 5,14

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