
24. Mai 2026 22:01Ralf Schönfeld
Andacht 25.05.2026
Gedanken zum Thema: Lebenszeit
Vor einigen Jahren setzte ich mich vor ein weißes Blatt und veranschaulichte die in Deutschland erwartbare durchschnittliche Lebenszeit. 78 senkrechte kleine Strichlein in einer Reihe. Frauen können 83 Striche zeichnen. Danach markierte ich die Stelle, an der ich mich befand. Ups! Das sah ziemlich „fortgeschritten“ aus. Selbst die Markierung bei blutjungen 18 Jahren machte klar: Ewig dauert es bis 78 nicht! Das Leben ist ziemlich endlich.
„Invitation to the blues“, singt Tom Waits – Einladung, depressiv zu werden. Ganz anders die Schlussfolgerung oder besser gesagt die Hoffnung von Mose, dem Mann Gottes: „[...] damit wir ein Herz voll Weisheit erlangen!“ Ziel des Nachdenkens über die Endlichkeit ist nicht etwa Resignation, sondern Weisheit.
Ich kann mich noch gut an meinen ersten Besuch in einem Baumarkt in Westdeutschland erinnern: Als gelernter Mangel-Ossi erschlug und faszinierte mich das Angebot zugleich. Heute stellt sich heraus, dass es durchaus böse Folgen nach sich zieht, wenn eine Gesellschaft glaubt, sie müsse immer aus dem Vollen schöpfen können. Mose wusste um den Wert des knappen Gutes. Ja, er bat sogar um das Bewusstsein der Endlichkeit. Viel später, unter König Salomo, ging es dem Volk blendend. Wohlstand und Frieden, so weit das Leben reichte. Die Folge? Selbst der König der Weisheit ließ eben diese mehr und mehr vermissen. Er verlor die Orientierung und damit die Verbindung zum Ursprung der Weisheit. Das Volk tat es ihm gleich. Der Einstieg in den Abstieg.
Überfluss macht offenbar kurzsichtig. Vielleicht sollten wir öfter dankbar sein, dass Gott uns nicht jeden Wunsch erfüllt, damit unser Herz weise wird. Worin sich diese Weisheit ausdrückt, sollte jeder selbst herausfinden. Die Frage nach dem, was bleibend lohnt, ist daraufhin bei mir einige Plätze nach oben geklettert. Denn wer möchte seine ohnehin begrenzten Tage mit Sinnlosem verbringen? Ich gebe zu, meine Weisheit ist zuweilen immer noch ein knappes Gut. Der Mann Gottes aber hat mir zumindest den Blick geschärft. Ich frage mich: Wofür lohnt sich die Investition von Lebenszeit?
Vor uns liegt ein Tag – welche Dinge sind es wert, meine Lebenszeit zu füllen? Herr, lehre du mich eine weise Antwort.
© Advent-Verlag Lüneburg mit freundlicher Genehmigung (der Link ist: http://www.advent-verlag.de)
Gedanken zum Thema: Lebenszeit
Vor einigen Jahren setzte ich mich vor ein weißes Blatt und veranschaulichte die in Deutschland erwartbare durchschnittliche Lebenszeit. 78 senkrechte kleine Strichlein in einer Reihe. Frauen können 83 Striche zeichnen. Danach markierte ich die Stelle, an der ich mich befand. Ups! Das sah ziemlich „fortgeschritten“ aus. Selbst die Markierung bei blutjungen 18 Jahren machte klar: Ewig dauert es bis 78 nicht! Das Leben ist ziemlich endlich.
„Invitation to the blues“, singt Tom Waits – Einladung, depressiv zu werden. Ganz anders die Schlussfolgerung oder besser gesagt die Hoffnung von Mose, dem Mann Gottes: „[...] damit wir ein Herz voll Weisheit erlangen!“ Ziel des Nachdenkens über die Endlichkeit ist nicht etwa Resignation, sondern Weisheit.
Ich kann mich noch gut an meinen ersten Besuch in einem Baumarkt in Westdeutschland erinnern: Als gelernter Mangel-Ossi erschlug und faszinierte mich das Angebot zugleich. Heute stellt sich heraus, dass es durchaus böse Folgen nach sich zieht, wenn eine Gesellschaft glaubt, sie müsse immer aus dem Vollen schöpfen können. Mose wusste um den Wert des knappen Gutes. Ja, er bat sogar um das Bewusstsein der Endlichkeit. Viel später, unter König Salomo, ging es dem Volk blendend. Wohlstand und Frieden, so weit das Leben reichte. Die Folge? Selbst der König der Weisheit ließ eben diese mehr und mehr vermissen. Er verlor die Orientierung und damit die Verbindung zum Ursprung der Weisheit. Das Volk tat es ihm gleich. Der Einstieg in den Abstieg.
Überfluss macht offenbar kurzsichtig. Vielleicht sollten wir öfter dankbar sein, dass Gott uns nicht jeden Wunsch erfüllt, damit unser Herz weise wird. Worin sich diese Weisheit ausdrückt, sollte jeder selbst herausfinden. Die Frage nach dem, was bleibend lohnt, ist daraufhin bei mir einige Plätze nach oben geklettert. Denn wer möchte seine ohnehin begrenzten Tage mit Sinnlosem verbringen? Ich gebe zu, meine Weisheit ist zuweilen immer noch ein knappes Gut. Der Mann Gottes aber hat mir zumindest den Blick geschärft. Ich frage mich: Wofür lohnt sich die Investition von Lebenszeit?
Vor uns liegt ein Tag – welche Dinge sind es wert, meine Lebenszeit zu füllen? Herr, lehre du mich eine weise Antwort.
© Advent-Verlag Lüneburg mit freundlicher Genehmigung (der Link ist: http://www.advent-verlag.de)



