
12. März 2026 23:01Dennis Meier
Andacht 13.03.2026
Gedanken zum Thema: Frömmigkeit
In diesen Tagen feiern die jüdischen Gemeinden das Purimfest. Währenddessen wird das Buch Ester vorgelesen, auf deren Geschichte das Fest zurückgeht. Jedes Mal, wenn der Name Haman erklingt, dreht man Rasseln als Zeichen der Missachtung. Haman erwies sich als Antisemit par excellence. Er hatte eigentlich alles: Erfolg im Job, Ruhm, Reichtum, jede Menge Kinder (Söhne natürlich) und eine Einladung zu einem exklusiven Dinner mit dem König und der Königin. Aber dann fügte er hinzu: „Alles das aber genügt mir nicht, solange ich den Juden Mordechai im Tor des Königs sitzen sehe“ (Est 5,13 EB). Die Pläne für den Genozid waren zu dem Zeitpunkt schon eingetütet, die Lose (purim, Est 3,7) auf das Datum gefallen.
Das Buch Ester ist nicht wegen seiner Frömmigkeit in den Kanon der Bibel aufgenommen worden; der Name Gottes kommt nicht einmal darin vor. Auch tun sich weder Ester noch Mordechai als besonders fromm hervor. Und doch fasziniert die Geschichte dadurch, dass Gottes Gegenwart überall zwischen den Zeilen zu erahnen ist wie die Hand eines Regisseurs, der eben nicht selbst vor die Kamera tritt. Durch Leaks und Zufälle, Glück und Bewahrung gestaltet sich die Geschichte zu einem Schaustück, wie Gott das Leben seiner Kinder lenkt und bewahrt.
Einige von uns werden sich hier wiederfinden, weil sie nicht diejenigen sind, die wie selbstverständlich für Parkplätze und verlorene Schlüssel beten (was nicht verkehrt ist), sondern die, die erst abends merken – wenn überhaupt –, dass sie im Laufe des Tages vieles im Kopf hatten, aber nichts direkt Geistliches. Es sind diejenigen, die nicht so leben, als ob sie glaubten, intensive Übungen der Frömmigkeit mehrten die Aufmerksamkeiten und Segnungen Gottes ihnen gegenüber. Vielleicht sogar diejenigen, von denen die Gerechten meinten, sie hätten es sich in der Welt Babylons bzw. Persiens etwas zu bequem eingerichtet.
Am Ende werden die Juden durch Gott und sein durchaus kreativ zusammengestelltes Team vor dem sicheren Tod bewahrt. Neben der Aneignung des Gedankens, dass Gott seine Leute niemals vergisst, darf aber nicht vergessen werden, dass wir, ob wir uns nun in die Geschichte hineinlesen oder nicht, uns gegen jede Form von Antisemitismus stellen müssen, denn auch das ist eine Lektion des Purimfests: Geistlich erbauliche Lektionen sind das eine, echte Lebensgefahr etwas anderes.
© Advent-Verlag Lüneburg mit freundlicher Genehmigung (der Link ist: http://www.advent-verlag.de)
Gedanken zum Thema: Frömmigkeit
In diesen Tagen feiern die jüdischen Gemeinden das Purimfest. Währenddessen wird das Buch Ester vorgelesen, auf deren Geschichte das Fest zurückgeht. Jedes Mal, wenn der Name Haman erklingt, dreht man Rasseln als Zeichen der Missachtung. Haman erwies sich als Antisemit par excellence. Er hatte eigentlich alles: Erfolg im Job, Ruhm, Reichtum, jede Menge Kinder (Söhne natürlich) und eine Einladung zu einem exklusiven Dinner mit dem König und der Königin. Aber dann fügte er hinzu: „Alles das aber genügt mir nicht, solange ich den Juden Mordechai im Tor des Königs sitzen sehe“ (Est 5,13 EB). Die Pläne für den Genozid waren zu dem Zeitpunkt schon eingetütet, die Lose (purim, Est 3,7) auf das Datum gefallen.
Das Buch Ester ist nicht wegen seiner Frömmigkeit in den Kanon der Bibel aufgenommen worden; der Name Gottes kommt nicht einmal darin vor. Auch tun sich weder Ester noch Mordechai als besonders fromm hervor. Und doch fasziniert die Geschichte dadurch, dass Gottes Gegenwart überall zwischen den Zeilen zu erahnen ist wie die Hand eines Regisseurs, der eben nicht selbst vor die Kamera tritt. Durch Leaks und Zufälle, Glück und Bewahrung gestaltet sich die Geschichte zu einem Schaustück, wie Gott das Leben seiner Kinder lenkt und bewahrt.
Einige von uns werden sich hier wiederfinden, weil sie nicht diejenigen sind, die wie selbstverständlich für Parkplätze und verlorene Schlüssel beten (was nicht verkehrt ist), sondern die, die erst abends merken – wenn überhaupt –, dass sie im Laufe des Tages vieles im Kopf hatten, aber nichts direkt Geistliches. Es sind diejenigen, die nicht so leben, als ob sie glaubten, intensive Übungen der Frömmigkeit mehrten die Aufmerksamkeiten und Segnungen Gottes ihnen gegenüber. Vielleicht sogar diejenigen, von denen die Gerechten meinten, sie hätten es sich in der Welt Babylons bzw. Persiens etwas zu bequem eingerichtet.
Am Ende werden die Juden durch Gott und sein durchaus kreativ zusammengestelltes Team vor dem sicheren Tod bewahrt. Neben der Aneignung des Gedankens, dass Gott seine Leute niemals vergisst, darf aber nicht vergessen werden, dass wir, ob wir uns nun in die Geschichte hineinlesen oder nicht, uns gegen jede Form von Antisemitismus stellen müssen, denn auch das ist eine Lektion des Purimfests: Geistlich erbauliche Lektionen sind das eine, echte Lebensgefahr etwas anderes.
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