
18. März 2025 23:01Gerhard Georgi
Andacht 19. März 2025
Gedanken zum Thema: Versuchung
Hab ich da richtig gelesen? Ich soll Gott darum bitten, es mit mir nicht zu bunt zu treiben? Bis jetzt dachte ich immer, für Versuchungen aller Art sei der Gegenspieler Gottes zuständig. Klingt doch eine weitere Aussage der Bibel ganz anders in meinem Ohr: „Niemand sage, wenn er versucht wird, dass er von Gott versucht werde. Denn Gott kann nicht versucht werden zum Bösen, und er selbst versucht niemand“ (Jak 1,13).
Im Dezember 2017 kritisierte Papst Franziskus diese letzte Bitte im Mustergebet Jesu, dem Vaterunser. Er könne diese nicht mit seinem Gottesbild in Einklang bringen. Er verwies auf den Beschluss der Bischöfe der französischen Schweiz, die Übersetzung wie folgt abzuändern: „Lass uns nicht in Versuchung geraten.“ Eine Interpretation, mit der auch ich recht gut leben könnte.
Andererseits gibt es in der Bibel klare Aussagen dazu, dass es durchaus auch Gott selbst sein kann, der hinter unseren Versuchungen steht. Die Geschichten von der Opferung Isaaks durch Abraham (1 Mo 22,1) und des Martyriums Hiobs (Hiob 7,17-18) geben mir zu denken. Und ist es nicht die Versuchung Jesu, die unmissverständlich Gottes aktive Rolle im Geschehen betont (Mt 4,1)? Ist alles das wirklich allein der nur konsequenten hebräischen Sichtweise zuzuschreiben, der zufolge Gott eben alles aktiv tut, was er nicht verhindert?
Sollte wirklich Gott, der Geber aller guten Gaben, hinter unseren Versuchungen stehen, dann müssten sie jedoch auch eine positive Bedeutung haben; eine Funktion erfüllen im Sinne des Guten, Erbauenden und Förderlichen.
Ich denke, es ist für unser Verständnis hilfreich, im Sinne des zugrunde liegenden griechischen Begriffs peirazo zwischen Prüfung und Versuchung zu differenzieren. Prüfungen, die ihren Ursprung in Gott haben, haben die Reife meines Charakters zum Ziel. Ihnen fehlt die Tendenz zur Sünde. Dem gegenüber steht die Versuchung zum Bösen. Hinter ihr steckt Satan, der möchte, dass wir unser Ziel verfehlen, uns von Gott entfernen, im Glauben abbauen.
Unser treuer Gott weiß, was er uns zumuten kann. Er wird unsere moralische Widerstandskraft nicht über Gebühr strapazieren (1 Kor 10,13). Und sollten wir doch fallen, dann bleibt er an uns dran und hilft uns gerne wieder auf!
© Advent-Verlag Lüneburg mit freundlicher Genehmigung (der Link ist: http://www.advent-verlag.de)
Gedanken zum Thema: Versuchung
Hab ich da richtig gelesen? Ich soll Gott darum bitten, es mit mir nicht zu bunt zu treiben? Bis jetzt dachte ich immer, für Versuchungen aller Art sei der Gegenspieler Gottes zuständig. Klingt doch eine weitere Aussage der Bibel ganz anders in meinem Ohr: „Niemand sage, wenn er versucht wird, dass er von Gott versucht werde. Denn Gott kann nicht versucht werden zum Bösen, und er selbst versucht niemand“ (Jak 1,13).
Im Dezember 2017 kritisierte Papst Franziskus diese letzte Bitte im Mustergebet Jesu, dem Vaterunser. Er könne diese nicht mit seinem Gottesbild in Einklang bringen. Er verwies auf den Beschluss der Bischöfe der französischen Schweiz, die Übersetzung wie folgt abzuändern: „Lass uns nicht in Versuchung geraten.“ Eine Interpretation, mit der auch ich recht gut leben könnte.
Andererseits gibt es in der Bibel klare Aussagen dazu, dass es durchaus auch Gott selbst sein kann, der hinter unseren Versuchungen steht. Die Geschichten von der Opferung Isaaks durch Abraham (1 Mo 22,1) und des Martyriums Hiobs (Hiob 7,17-18) geben mir zu denken. Und ist es nicht die Versuchung Jesu, die unmissverständlich Gottes aktive Rolle im Geschehen betont (Mt 4,1)? Ist alles das wirklich allein der nur konsequenten hebräischen Sichtweise zuzuschreiben, der zufolge Gott eben alles aktiv tut, was er nicht verhindert?
Sollte wirklich Gott, der Geber aller guten Gaben, hinter unseren Versuchungen stehen, dann müssten sie jedoch auch eine positive Bedeutung haben; eine Funktion erfüllen im Sinne des Guten, Erbauenden und Förderlichen.
Ich denke, es ist für unser Verständnis hilfreich, im Sinne des zugrunde liegenden griechischen Begriffs peirazo zwischen Prüfung und Versuchung zu differenzieren. Prüfungen, die ihren Ursprung in Gott haben, haben die Reife meines Charakters zum Ziel. Ihnen fehlt die Tendenz zur Sünde. Dem gegenüber steht die Versuchung zum Bösen. Hinter ihr steckt Satan, der möchte, dass wir unser Ziel verfehlen, uns von Gott entfernen, im Glauben abbauen.
Unser treuer Gott weiß, was er uns zumuten kann. Er wird unsere moralische Widerstandskraft nicht über Gebühr strapazieren (1 Kor 10,13). Und sollten wir doch fallen, dann bleibt er an uns dran und hilft uns gerne wieder auf!
© Advent-Verlag Lüneburg mit freundlicher Genehmigung (der Link ist: http://www.advent-verlag.de)