Andacht 28.08.2026
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Bibel
Glauben

27. Aug. 2026 22:01Dennis Meier

Andacht 28.08.2026

Gedanken zum Thema: Hoffnung

Ich sitze mit meiner Frau in einem spannenden Vortrag über christliche Leiterschaft. Die Rednerin beginnt damit, zu erzählen, wie sie dabei helfen konnte, eine junge Frau vor der Verheiratung durch ihre Familie zu bewahren. Später im Vortrag zitiert sie den Text aus Jeremia, in dem der Prophet die im Exil Lebenden auffordert, „der Stadt Bestes“ (wörtl. shalom) zu suchen (V. 7). Die Rede beginnt mit den obigen Worten. Dann liest sie weiter: „Und nehmt Frauen für eure Söhne, und eure Töchter gebt Männern“ (V. 6 EB). Meine Frau und ich schauen uns schmunzelnd an. Ist das nicht genau die Art der Verheiratung, von der uns eben berichtet wurde, wie man sie im Namen des Evangeliums verhindert habe?

Mir wird einmal mehr deutlich, wie sehr wir unsere Kultur und Prägung auch in die Texte der Bibel hinein- bzw. aus ihnen herauslesen. Wie sehr diese Welt und ihr Denken uns fremd sind. Unweigerlich führt das dazu, dass wir beim Lesen biblischer Texte oft unbewusst Slalom fahren. Neulich im Bibelgespräch wurde eine Schwester gebeten, einen Psalm vorzulesen, in dem ein paar – sagen wir – unschöne Verse präzisierten, wie der Psalmist doch wünsche, dass Gott seine Feinde „verarzte“. Sie ließ sie einfach aus und hatte es auf Nachfrage nicht einmal bemerkt.

Ist ja manchmal auch angebracht, schon aus Gründen des Jugendschutzes. Den Kindern erzählen wir auch nicht ohne Weiteres, was David mit dem bewusstlosen Goliat machte. Die Bibel ist halt ein unzensiertes Buch und genau das sagt uns etwas über die Art, wie Gott sich darin offenbart: eben nicht als der Gott unserer frommen Vorstellungen, Wünsche und Traditionen, sondern immer als der fleischgewordene Gott, der die Sprache der jeweiligen Kultur spricht, in die hinein er sich offenbart. Die Erkenntnis unserer Beschränktheit im Erfassen biblischer Texte und der daraus abzuleitenden Handlungsweisen spricht für ein gehöriges Maß an Demut, wenn wir das nächste Mal steif und fest „wissen“, was biblisch ist.

Ich jedenfalls bin froh zu wissen, dass der Geist Gottes Vorträge, Predigten und Begegnungen anfüllen und Menschen dadurch berühren kann. Und das gilt ja nicht nur für mich, sondern auch für unser beider Tag heute. Da ist jede Menge Hoffnung drin, dass trotz unseres Kuddelmuddels und unserer Scheuklappen jemand in unserem Umfeld einen handfesten Segen abgreifen wird.

Zum Bibelvers: Jeremia 29,5

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