
1. Jan. 2026 23:01Lothar Scheel
Andacht 02.01.2026
Gedanken zum Thema: Zeit
„Panta rhei – alles fließt“, meinte der griechische Philosoph Heraklit von Ephesos um 500 v. Chr. Nichts bleibt, wie es ist. Das Leben ist Bewegung und ständige Veränderung. Alles Sein ist Entwicklung, ein ständiges Werden – und auch Vergehen. Das wird einem nicht nur am Jahresbeginn oder Geburtstag bewusst. In der Kindheit schien die Zeit noch endlos zu sein. Aber je älter man wird, desto schneller scheint sie zu vergehen. Chronos war bei den alten Griechen der Gott der Zeit und auch der Begriff für die Zeit als unaufhörlichen Zeitfluss. Alles fließt und zerfließt, die Zeit zerrinnt zwischen den Fingern wie trockener Sand.
Wenn sich der Fluss der Zeit schon nicht aufhalten lässt, kann man ihn vielleicht verlangsamen oder festhalten? Wir tun das zum Beispiel in Bildern und Videos oder mit besonderen Festen und Jubiläen. Oder wir versuchen, Zeit zu „gewinnen“, indem alles schneller erledigt, die knappe Zeit so effektiv wie möglich genutzt und möglichst viel hineingepackt wird. Aber mehr Zeit bekommt man dadurch nicht, meistens nicht einmal das Gefühl, mehr Zeit gehabt oder in der verfügbaren Zeit mehr erlebt zu haben. Eher im Gegenteil.
Die Bibel zeigt jedoch eine geniale Möglichkeit, den unerbittlichen Fluss der Zeit zu unterbrechen. An jedem siebten Tag der Woche ist Sabbat, an dem man nach jüdischer Vorstellung den üblichen Trott verlässt. Die Zeit wird geradezu angehalten, alles bleibt stehen und liegen, wie es ist, nichts wird erledigt, hinein- oder obendrauf gepackt. Die Zeit steht still und das Leben, das Menschsein wird gefeiert. „Am Sabbat lebt der Mensch, als hätte er nichts, als verfolge er kein Ziel außer zu sein, d. h. seine essentiellen Kräfte auszuüben – beten, studieren, essen, trinken, singen, lieben“ (Erich Fromm, Haben oder Sein, S. 57).
Damit entsteht mitten im Zeitfluss etwas Neues, der Kairos. Kairos, der besondere, günstige Moment. Es ist die Zeit, die aus dem Fluss der Zeit gefallen ist. Ein Kairos kann jederzeit ins Leben treten und kommt doch oft unverhofft und ungeplant. Wer ihn verpasst, kann ihn nicht nachholen.
Aus Gottes Hand kommt die Lebenszeit, die wir wie einen unaufhaltsamen Fluss erleben. Aus seiner Hand kommen aber auch der besondere Augenblick, der glückliche Moment, die ganz besondere Begegnung, das unverhoffte Wiedersehen, die gelungene Zeit. Und auch jeder Sabbat ist so ein aus der Zeit gefallener Moment, ein Geschenk aus Gottes Hand.
© Advent-Verlag Lüneburg mit freundlicher Genehmigung (der Link ist: http://www.advent-verlag.de)
Gedanken zum Thema: Zeit
„Panta rhei – alles fließt“, meinte der griechische Philosoph Heraklit von Ephesos um 500 v. Chr. Nichts bleibt, wie es ist. Das Leben ist Bewegung und ständige Veränderung. Alles Sein ist Entwicklung, ein ständiges Werden – und auch Vergehen. Das wird einem nicht nur am Jahresbeginn oder Geburtstag bewusst. In der Kindheit schien die Zeit noch endlos zu sein. Aber je älter man wird, desto schneller scheint sie zu vergehen. Chronos war bei den alten Griechen der Gott der Zeit und auch der Begriff für die Zeit als unaufhörlichen Zeitfluss. Alles fließt und zerfließt, die Zeit zerrinnt zwischen den Fingern wie trockener Sand.
Wenn sich der Fluss der Zeit schon nicht aufhalten lässt, kann man ihn vielleicht verlangsamen oder festhalten? Wir tun das zum Beispiel in Bildern und Videos oder mit besonderen Festen und Jubiläen. Oder wir versuchen, Zeit zu „gewinnen“, indem alles schneller erledigt, die knappe Zeit so effektiv wie möglich genutzt und möglichst viel hineingepackt wird. Aber mehr Zeit bekommt man dadurch nicht, meistens nicht einmal das Gefühl, mehr Zeit gehabt oder in der verfügbaren Zeit mehr erlebt zu haben. Eher im Gegenteil.
Die Bibel zeigt jedoch eine geniale Möglichkeit, den unerbittlichen Fluss der Zeit zu unterbrechen. An jedem siebten Tag der Woche ist Sabbat, an dem man nach jüdischer Vorstellung den üblichen Trott verlässt. Die Zeit wird geradezu angehalten, alles bleibt stehen und liegen, wie es ist, nichts wird erledigt, hinein- oder obendrauf gepackt. Die Zeit steht still und das Leben, das Menschsein wird gefeiert. „Am Sabbat lebt der Mensch, als hätte er nichts, als verfolge er kein Ziel außer zu sein, d. h. seine essentiellen Kräfte auszuüben – beten, studieren, essen, trinken, singen, lieben“ (Erich Fromm, Haben oder Sein, S. 57).
Damit entsteht mitten im Zeitfluss etwas Neues, der Kairos. Kairos, der besondere, günstige Moment. Es ist die Zeit, die aus dem Fluss der Zeit gefallen ist. Ein Kairos kann jederzeit ins Leben treten und kommt doch oft unverhofft und ungeplant. Wer ihn verpasst, kann ihn nicht nachholen.
Aus Gottes Hand kommt die Lebenszeit, die wir wie einen unaufhaltsamen Fluss erleben. Aus seiner Hand kommen aber auch der besondere Augenblick, der glückliche Moment, die ganz besondere Begegnung, das unverhoffte Wiedersehen, die gelungene Zeit. Und auch jeder Sabbat ist so ein aus der Zeit gefallener Moment, ein Geschenk aus Gottes Hand.
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