Andacht 29.03.2026
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Bibel
Glauben

28. März 2026 23:01Gerald Klingbeil

Andacht 29.03.2026

Gedanken zum Thema: Retten

Er hatte alles gegeben in den vergangenen vierzig Jahren und dabei selten an sich selbst gedacht. Wie oft hatte er arg verzwickte Probleme lösen müssen? Wie oft hatte er sich auf die Seite der Minderheit gestellt und diejenigen verteidigt, die es nicht selbst konnten? Und jetzt sollte all das nicht mehr zählen und er in den Ruhestand abgeschoben werden? Das tat richtig weh.

Hier ist nicht die Rede von Delegiertentagungen, Ernennungsausschüssen oder einem anderen Dienst in der Kirche. Zumindest nicht vordergründig. Mose hatte Gott und seinem Volk jahrzehntelang treu gedient. Er war Gottes Ruf gefolgt, hatte keine Gefahr gescheut und blieb bei seinem Volk, als die ägyptischen Streitwagen auf sie zu donnerten und sie mit dem Rücken zum Meer standen. Wieder und wieder hatte er sich für sein Volk in die Bresche geworfen, Fürbitte geleistet und die Menschen geduldig auf den richtigen Weg zurückgeführt. Und jetzt, nach einem kleinen Fehltritt, durfte er deswegen nicht mehr das verheißene Land betreten (siehe 4 Mo 20,11–12)? Das fühlt sich unfair an. Ist Gott so ein gnadenloser ­Sheriff, der nur darauf wartet, dass wir Mist bauen, und uns dann eisern die Leviten liest? Sicher nicht!

Der Gott, den wir in der Tora kennenlernen, ist ­geduldig, langmütig, barmherzig und voller Gnade (vgl. 2 Mo 34,6–7; 4 Mo 14,18; 5 Mo 4,31). Er vergibt seinem störrischen Volk immer wieder – und doch scheint er bei Mose unerbittlich zu sein. Gottes Gerichtswort beschreibt das Kernproblem der beiden Leiter. Es geht um Unglauben, die Gewissheit, dass Gott etwas tun konnte und tun würde (4 Mo 20,12). Unglauben bei Mose? Könnte Gott nicht einmal großzügig wegschauen?

Nein, das scheint nicht zu gehen, denn Glauben und Vertrauen sind Grundlage jeder Beziehung. Kann es sein, dass auch wir manchmal davon überzeugt sind, die Kirche retten zu müssen, und zwar auf unsere Art?

Mose sah Kanaan nur von Weitem, bevor er starb, aber 1400 Jahre später stand er mit Elia auf einem Berg und ermutigte den Gottmenschen Jesus, den schweren Weg zum Kreuz zu gehen. Gott braucht uns nicht, um seine Gemeinde zu retten – aber er hat alles gegeben, um uns persönlich zu retten.

Zum Bibelvers: 4. Mose 20,10

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