
13. Juni 2026 22:01Stephanie Kelm
Andacht 14.06.2026
Gedanken zum Thema: Müde
Es ist ein besonderes Bild. Zu sehen sind Mädchen im Alter von etwa sechs Jahren. Sie knien nebeneinander auf dem Schulboden mit Schleifen im Haar, geschlossenen Augen und gefalteten Händen. Doch ein Mädchen sticht auf diesem Postkartenmotiv heraus. Es kniet in der vordersten Reihe, hat geflochtene Zöpfe, die übers Kleid fallen. Seine gefalteten Finger hält es ganz nah an die Nase. Und es gähnt. Das ist es, was mich berührt! Wenn sie könnte, würde die Kleine ihr Gähnen verstecken, ganz sicher. Sie kann es nicht.
Darf man beim Beten gähnen? Vielleicht ist das eine seltsame Frage. Mit dem, was ich von Gott weiß, würde ich sagen: „Na klar!“ Dennoch berührt dieses Bild etwas in mir, das mir nicht fremd ist.
Ich habe gelernt: für Gott nur das Beste. Und das stimmt. Gott ist der Schöpfer des Universums. Er ist heilig, gerecht und allmächtig und definitiv keiner, bei dem Gähnen angebracht ist. Manchmal führt mich dieser Gedanke aber auch in die Irre und dann versuche ich etwas vor Gott zu sein, was ich gar nicht bin. Munter zum Beispiel. Aber Gott braucht es nicht, dass ich morgens um sechs vor ihm mit Schleife im Haar knie.
Wenn ich das Mädchen auf dem Foto sehe, dann bin ich ihm fast dankbar für die Ehrlichkeit, die diese Fotografie aus England aus dem Jahr 1954 transportiert. Dann möchte ich diesem Mädchen zurufen: „Du darfst müde sein! Es stört Gott nicht.“
Und nachsetzen: „Es stört nur Menschen.“ Wie oft machen wir Menschen aus dem, was Gott uns geschenkt hat, Formen. Und wer nicht hineinpasst, der ist falsch oder zumindest nicht richtig. Und wer nicht mitmacht, der gehört nicht dazu und glaubt nicht richtig.
Gott selbst gibt uns nur ein Gebot: „Liebe. Liebe mich, liebe dich, liebe deinen Nächsten.“ Vom Gähnen redet er nicht und auch nicht von anderen Regeln, die wir uns gern ausdenken.
Darf ich beim Beten gähnen? Es ist eine Frage der Angst. Gott stellt sie nicht. Er fragt nur: „Liebst du mich?“ Ich wage nicht zu sagen, ich würde Gott lieben. Ich halte Gott vielmehr meine ganze Unfähigkeit zu lieben hin. Doch unser Dialog ist echt, wir sind in Berührung. Und darauf, kleines Mädchen, kommt es an.
© Advent-Verlag Lüneburg mit freundlicher Genehmigung (der Link ist: http://www.advent-verlag.de)
Gedanken zum Thema: Müde
Es ist ein besonderes Bild. Zu sehen sind Mädchen im Alter von etwa sechs Jahren. Sie knien nebeneinander auf dem Schulboden mit Schleifen im Haar, geschlossenen Augen und gefalteten Händen. Doch ein Mädchen sticht auf diesem Postkartenmotiv heraus. Es kniet in der vordersten Reihe, hat geflochtene Zöpfe, die übers Kleid fallen. Seine gefalteten Finger hält es ganz nah an die Nase. Und es gähnt. Das ist es, was mich berührt! Wenn sie könnte, würde die Kleine ihr Gähnen verstecken, ganz sicher. Sie kann es nicht.
Darf man beim Beten gähnen? Vielleicht ist das eine seltsame Frage. Mit dem, was ich von Gott weiß, würde ich sagen: „Na klar!“ Dennoch berührt dieses Bild etwas in mir, das mir nicht fremd ist.
Ich habe gelernt: für Gott nur das Beste. Und das stimmt. Gott ist der Schöpfer des Universums. Er ist heilig, gerecht und allmächtig und definitiv keiner, bei dem Gähnen angebracht ist. Manchmal führt mich dieser Gedanke aber auch in die Irre und dann versuche ich etwas vor Gott zu sein, was ich gar nicht bin. Munter zum Beispiel. Aber Gott braucht es nicht, dass ich morgens um sechs vor ihm mit Schleife im Haar knie.
Wenn ich das Mädchen auf dem Foto sehe, dann bin ich ihm fast dankbar für die Ehrlichkeit, die diese Fotografie aus England aus dem Jahr 1954 transportiert. Dann möchte ich diesem Mädchen zurufen: „Du darfst müde sein! Es stört Gott nicht.“
Und nachsetzen: „Es stört nur Menschen.“ Wie oft machen wir Menschen aus dem, was Gott uns geschenkt hat, Formen. Und wer nicht hineinpasst, der ist falsch oder zumindest nicht richtig. Und wer nicht mitmacht, der gehört nicht dazu und glaubt nicht richtig.
Gott selbst gibt uns nur ein Gebot: „Liebe. Liebe mich, liebe dich, liebe deinen Nächsten.“ Vom Gähnen redet er nicht und auch nicht von anderen Regeln, die wir uns gern ausdenken.
Darf ich beim Beten gähnen? Es ist eine Frage der Angst. Gott stellt sie nicht. Er fragt nur: „Liebst du mich?“ Ich wage nicht zu sagen, ich würde Gott lieben. Ich halte Gott vielmehr meine ganze Unfähigkeit zu lieben hin. Doch unser Dialog ist echt, wir sind in Berührung. Und darauf, kleines Mädchen, kommt es an.
© Advent-Verlag Lüneburg mit freundlicher Genehmigung (der Link ist: http://www.advent-verlag.de)



